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Letzte Woche hatte ich das Vergnügen, an den XING Prototyping Days teilzunehmen – drei Tage im Jahr, während denen jeder Mitarbeiter von XING sich an einem Projekt beteiligen und eigene Ideen ganz unabhängig vom Tagesgeschäft ausarbeiten oder umsetzen kann. Eine großartige Sache bei der alle Beteiligten sehr viel Spaß haben und die immer wieder zu erstaunlichen, inspirierenden, begeisternden und praktischen Ergebnissen führt.

Was ich vor allem anderen in diesem Jahr jedoch mitnehme ist die beeindruckende Erfahrung der Mächtigkeit von Papier. Ja, es gibt jede Menge praktische Tools für schnelles und einfaches Prototyping, sogar auf dem iPhone kann man ohne Weiteres einen Prototypen gestalten. Aber mit Papier bietet eine Vielzahl von Vorteilen gerade beim spontanen, schnellen Prototyping, bei denen kaum ein Software-Tool mithalten kann:

  • mit Papier sind wir alle vertraut, es gibt so gut wie keine Lernkurve: man nimmt einfach einen Filzstift und beginnt mit der Realisierung seiner Ideen
  • der Fantasie sind auf Papier keine Grenzen gesetzt: keine vorgegebenen Sets, Patterns, Muster oder dergleichen schränken das Denken ein
  • Papier ist sehr flexibel: durch Falten etwa lassen sich interessante Effekte erzielen
  • Papier kann beliebig durch andere Materialien angereichert werden: egal ob bunte Fotos von süßen Kätzchen oder beeindruckende Statistiken gebraucht werden, einfach irgendwo ausschneiden und in den Prototypen reinkleben
  • bei der Arbeit mit Papier beginnt man fast wie von selbst, Dinge miteinander zu kombinieren und Neues auszuprobieren, das kreative Denken wird also durch parallele manuelle Tätigkeit weiter angeregt
  • ein Papier-Prototyp kann direkt zur Interaktion genutzt und innerhalb von Sekunden angepasst und überarbeitet werden
  • und indem man den Prototypen im Stop-Motion-Verfahren abfotografiert, lassen sich mit erstaunlich wenig Aufwand schöne Demo-Filme erstellen

Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, mein altes und inniges Verhältnis zu Papier als Werkstoff neu beleben zu können und werde Papier in Zukunft sicher öfter für schnelles Prototyping benutzen.

Viel wird gesprochen über Online-Reputation und wie schnell man sich mit unbedachten Äußerungen im Netz selbige zerschießen kann. Immer wieder wird davon gesprochen, wie wichtig die Vermittlung von Medien-Kompetenz ist, und dem kann ich mich aus vielfacher persönlicher Erfahrung nur anschließen! Als Community Manager bei XING bekomme ich täglich Aussagen zu Gesicht, in denen sich erwachsene Menschen unter ihrem realen Namen in aller Öffentlichkeit lächerlich machen.

Gerade auf XING, einer Plattform für Business- und Karriere-Networking, sollte man doch eigentlich erwarten, dass die Nutzer sich und ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse möglichst in ein vorteilhaftes Licht stellen möchten. Doch anstatt sich als seriösen, vertrauenswürdigen und kompetenten Geschäftspartner oder potenziellen neuen Mitarbeiter zu positionieren, machen nicht wenige das genaue Gegenteil.

Folgende Beiträge stammen beispielsweise ganz aktuell aus einer öffentlich zugänglichen Diskussion über die Einführung neuer Funktionen auf XING und wurden – wie auf XING üblich – unter Klarnamen abgegeben, von zwei Mitgliedern die ihr Geld u.a. als freiberufliche Texter verdienen:

doof.

IST DAS SCHLECHT!

Ist sie nicht herrlich, diese Sprachgewalt, diese übersprudelnde Kreativität?! Und wie es den beiden gelungen ist, ihre vielschichtigen Ansichten und Meinungen sachlich, verständlich und allgemein nachvollziehbar auf den Punkt zu bringen! Eine intellektuelle und sprachliche Glanzleistung in jeder Hinsicht! Da möchte man doch gleich zum Telefon greifen und sich die Dienste sichern.

Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, im Netz auch mal Emotionen zu zeigen, oder etwas zu kritisieren. Die Regel “der Ton macht die Musik” gilt aber nicht nur im Real Life, sie gilt ganz besonders im Netz. Denn wenn man sich im normalen Leben mal einen kleinen Ausraster genehmigt, bekommen das nur wenige Menschen mit und vor allem haben diese Menschen in aller Regel auch einen größeren Kontext in dem sie ein einmaliges unpassendes Verhalten einordnen können (“er ist ja sonst ein total netter Kerl, drücken wir mal ein Auge zu”). Außerdem geraten solche Ausrutscher auch schnell in Vergessenheit – es sei denn natürlich, sie wiederholen sich.

Ein Leser im Netz dagegen hat in der Regel keinen Kontext, keine anderen positiven Erfahrungen, die ein Gegengewicht bilden dazu bilden, gegen das er abwägen könnte. Es ist der erste Eindruck, den der Leser von der Person bekommt, und der erste Eindruck zählt.

Einen vorbildlichen ersten Eindruck machen auch die Autoren dieser beiden Beiträge:

grrrrr…..
wie kann man diese neue Funktion “Aktivitäten Ihres Profils” ausblenden / bearbeiten ….. nerrrrvvvvvv

Haben da etwa neue Praktikanten angefangen?????
So sieht´s nämlich aus – wie Bastelwerk vom Ferienarbeiter!

Nochmal zur Erinnerung: Diese Aussagen sind möglicherweise bis in alle Ewigkeit unter den echten Namen der Autoren auf XING zu finden, auf einer Business- und Karriereplattform! Wenn man sich an irgendeinem Ort im Netz am Riemen reißen und sich positiv präsentieren sollte, dann doch wohl hier!

Als Community Manager bekomme ich reichlich Feedback rund um XING, von “Alles Scheisse!” bis zu “Ich möchte beim XML-Export der Liste meiner Event-Teilnehmer auch die Kommentare auswählen können”. Ein echter Evergreen ist dabei die Frage, wieso Leute anderen Leuten Nachrichten schreiben, wenn Sie denen die Möglichkeit zum Antworten unterbunden haben. Ich versuche mir das immer damit zu erklären, dass die User den entsprechenden Hinweis nicht lesen, der so aussieht:

Wobei, eigentlich kann man das Ding kaum übersehen. Aber vielleicht ist der Hinweis ja nicht klar genug formuliert und die User stellen die Verbindung dazu nicht her, dass sie es dem Adressaten ihrer Nachricht  untersagt haben, ihnen Nachrichten zu senden? Je mehr ich drüber nachdenke, um so wahrscheinlicher kommt mir das vor. Da sollten wir wohl nochmal dran feilen.

Was aber ganz und gar ärgerlich ist, sind Hinweistexte und Fehlermeldungen, die einfach nur einen offensichtlichen Sachverhalt benennen (“Es ist ein Fehler aufgetreten”), aber nicht über mögliche Konsequenzen oder weitere Schritte informieren. Über ein dickes Kaliber dieser Klasse bin ich heute gestolpert, als ich mich beim Online-Banking der ING-Diba anmelden wollte und einen Fehler bei der Eingabe meiner PIN gemacht habe. Da erschien folgender Hinweis:

Mit keinem Wort wird da erwähnt, dass eine erneute Fehleingabe zur Sperrung führt, was ja eine durchaus relevante Information wäre! Nichtsahnend hab ich die PIN erneut eingegeben (es hieß ja: “Einfach nochmal versuchen”) und weil ich die Feststell-Taste aktiviert hatte, bin ich auch prompt in die Falle getappt. Hier ließe sich mit einer kleinen Textänderung dem User vermitteln, dass der nächste Versuch passen muss, weil sonst die Zugangsdaten gesperrt werden. Kleine Änderung an der Fehlermeldung, großer Informationsgewinn für den User. Wenn er denn die Fehlermeldung liest. Aber vielleicht haben User auch aufgehört, Fehlermeldungen zu lesen, weil die uninformativ sind?




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