Archive for the ‘technik’ Category

Nicht nur ich, auch meine Freunde und Bekannten in Japan raufen sich seit Tagen die Haare angesichts der Berichterstattung in den deutschen Medien. Was da teilweise an verworrenem Unsinn versehen mit einer möglichst bedrohlich/gefährlich klingenden Headline auf die Leser losgelassen wird, ist schon erschreckend. Panikmache und Sensationsgier statt fundierte Information wohin man nur schaut.

Vorläufiger Höhepunkt dürfte der Brennpunkt in der ARD gewesen sein, in dem so lebensnotwendige Zuschauerfragen wie “Kann man eigentlich noch Fischstäbchen essen” oder “Kann ich unbesorgt in den Thailandurlaub fliegen” beantwortet wurden. Nein, ich will hier nicht Menschen, die sich zunächst um ihren eigenen Alltag und den Einfluss einer solchen Katastrophe auf ihr eigenes Leben Gedanken machen, kritisieren. Ich will die Berichterstattung kritisieren, die durch eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und Sensationslust dazu führt, dass sich die Menschen mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen!

In dieser Hinsicht haben heute (mal wieder) die Jungs von Spiegel Online den Vogel abgeschossen:

Der Artikel sagt doch tatsächlich aus, die per Wasserwerfer von der Feuerwehr von außen auf das Reaktorgebäude gesprühten Wassermassen sollten den Druck im Reaktor senken, hätten dieses Ziel jedoch verfehlt. Was natürlich völliger Quatsch ist, denn die Kühlung per Wasserstrahl von außen zielt auf das oberhalb des Reaktors befindliche Abklingbecken, das seit der Zerstörung der Dachkonstruktion in einer Explosion mehr oder weniger frei zugänglich ist. Mit dem Reaktor selbst hat das überhaupt nichts zu tun, was vom Regierungssprecher Yukio Edano so auch klipp und klar in einer Pressekonferenz gesagt wurde.

Offenbar hat der Autor des wohl teilweise von der dpa stammenden Artikels also nicht nur nach 9 Tagen “Atomkatastrophe” immer noch nicht mal grundlegendste Zusammenhänge verstanden, auch die offiziellen Informationen der Regierung werden nicht beachtet.

Daher habe ich hier mal eine Infografik speziell auf das Niveau des in Nukleartechnologie und Recherche wenig bewanderten, dafür aber umso gestressteren Journalisten abgestimmt:

Groß war der Jubel, als mein Arbeitgeber vor einigen Wochen bekanntgab, dass alle Mitarbeiter ein mobiles Gerät ihrer Wahl zur Verfügung gestellt bekommen würden. Aus Neugier (und weil ich mit meinem G1 nach wie vor sehr zufrieden bin und kein neues Handy brauche) habe ich mich für ein iPad entschieden. Gespannt wie ein Flitzebogen holte ich das mythenumwehte Gerät von der IT ab und begann meine Reise in eine unbekannte Welt.

Der erste Eindruck: Ein sehr edles Ding – schwerer als ich gedacht hatte – mit einem wirklich grandiosen Bildschirm. Das Herumschieben und -zoomen von Objekten, die fließenden Bewegungen auf dem Screen strömen eine ganz eigene Faszination, ja, Magie aus.

Der zweite Eindruck: Ohweia, was ist das denn für eine Tastatur?!? Schon die Eingabe von E-Mail-Adresse und Passwörtern ist eine Qual, weil Sonderzeichen, die auf meinem G1 auf eine Tastatur passen, beim iPad auf drei verteilt sind, zwischen denen man ständig hin- und herwechseln muss. Den Versuch, das iPad zum Anlegen von Meeting-Notizen zu nutzen, breche ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehend ab.

Der dritte Eindruck: Wieso zum Teufel kann ich da keine Dateien drauf ziehen?!? Am Rechner eingestöpselt wird das iPad natürlich gleich erkannt – nur um sich als Sackgasse zu erweisen. Dass ich iTunes nutzen muss, um Bilder, Filme, Musik oder Dokumente auf das iPad zu kopieren, macht ja wohl nur durch die Monopolbrille von Apple Sinn, aber nicht für den Nutzer. Ich beginne, das iPad als “Ding” zu bezeichnen.

Der vierte Eindruck: Ich bin nicht berechtigt, einen iTunes-Account anzulegen!?! Jedenfalls bekomme ich beim ersten Versuch eine entsprechende Meldung und darf die (langwierige) Registrierung wiederholen. Ich bin kurz davor, das Ding im hohen Bogen aus dem Fenster zu schmeißen!

Der letzte Eindruck: Inzwischen ist mir klar, dass das Ding für mich völlig überflüssig und zu überhaupt nichts zu gebrauchen ist. Jedes Mal, wenn ich es in die Hand nahm, verkürzte sich die Zeit, bis ich es nur noch auf den Boden donnern und darauf herumtrampeln wollte. Jetzt liegt das Ding unbenutzt in der Schreibtischschublade und da wird es wohl auch bis in alle Ewigkeit bleiben.

Aber eines ließ mir keine Ruhe: Wieso finden viele meiner Kollegen, die das Ding auch bestellt haben, es so toll? Während es für mich einfach nur ein überflüssiges, nerviges Spielzeug ist?

Die Antwort fiel mir vorhin wie Schuppen von den Augen, als ich kurz überlegt habe, ob ich mir auf Zattoo die Tagesschau anschauen soll: Das iPad ist das Äquivalent zum Fernseher! Es ist ganz auf Konsum von Webseiten, Fotos, Filmen, Musik ausgelegt, erfordert also einen passiven Nutzer, der berieselt wird. Aktivität, Produktivität sind zwar theoretisch möglich, aber ungefähr so komfortabel wie das Navigieren von Videotext-Tafeln mittels der Fernbedienung des Fernsehers. Und einen Fernseher habe ich noch nie besessen. Ich habe einfach keine Verwendung für ein Gerät, das den Nutzer in eine passive Rolle zwingt.

PS:
Anstatt die Tagesschau zu gucken, hab ich lieber diesen Blogpost geschrieben.




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