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Kompliziertes Wort, wa? Es ist aber auch kompliziert, sich in die Denkstrukturen mancher Menschen zu versetzen, so auch die einiger meiner Nachbarn von gegenüber. Die wohnen in wunderbar lichtdurchfluteten Wohnungen, was an und für sich ne tolle Sache ist – allerdings braucht es dafür in Hamburg vollverglaste Wohnzimmer mit Südausrichtung. Und Süden bedeutet in diesem Fall, dass die vollverglasten Wohnzimmer auf die Barmbeker Straße gehen, eine der meistbefahrenen Durchgangsstraßen Hamburgs mit fast 40.000 Kfz am Tag.

So bekomme nicht nur ich mit, dass die Nachbarin im dritten Stock links an Sonntagen auch mal gern in Unterwäsche auf der Couch abhängt, oder dass die Nachbarn im zweiten Stock rechts sich keinen Tatort entgehen lassen. Jeden Tag könnten das potenziell zehntausende Passanten mitkriegen. Das hat die Leute aber nicht gehindert, 300.000 Euro und mehr für diese schicken lichtdurchfluteten Wohnungen zu bezahlen.

Doch eines Tages gab ein böser amerikanischer Großkonzern bekannt, Fotos von Straßenzügen allgemein zugänglich zu machen. Panik ergriff die Bewohner der Barmbeker Straße 40a/b angesichts dieses Eingriffs in ihre so sehr geschätzte, wohl gehütete Privatsphäre! Denn, oh Schreck, nun würde der Einblick in ihre Wohnzimmer nicht mehr auf ein paar zehntausend Hamburger beschränkt sein, plötzlich könnte jeder in ihr Heim spicken!

Also stürzten sich die Bewohner der Barmbeker Straße 40a/b unerschrocken in den Kampf um ihre Privatsphäre  und ließen ihre Hausfassade bei Google verpixeln. Jetzt können sie sich wieder beruhigt in die Abgeschiedenheit ihrer vollverglasten Wohnzimmer zurückziehen, im Vertrauen darauf, dass ihre Privatsphäre nur durch ein paar zehntausend Passanten am Tag kompromittiert wird.

Besagte Fassade sieht übrigens so aus (größere Variante auf Panoramio):




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