Archive for the ‘medien’ Category

Im November 2012 brachte Focus Money wieder eine haarsträubende Titelstory, dieses Mal mit dem Titel Fundament fürs Alter. Dem Artikel liegt das Problem zu Grunde, dass viele Menschen die Rendite ihrer bzw. einer Kapitallebensversicherung – dem Altervorsorgeinstrument schlechthin in den letzten Jahrzehnten – dahinschmelzen sehen. Der Artikel empfiehlt deshalb Investitionen in Sachwerte, was ja an und für sich erstmal ne gute Idee ist. Nur wird dann eine Strategie empfohlen, die stark auf einer kreditfinanzierten Immobilie basiert.

Schauen wir uns das Elend Schritt für Schritt genauer an:

1. Der Strategie zufolge soll man nach Berufseinstieg bis zur Gründung einer Familie (also etwa zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr) in Aktien bzw. Aktienfonds investieren. Anschließend nutzt man dieses Kapital als Anzahlung für ein kreditfinanziertes Einfamilienhaus, das man mit 50 Jahren abbezahlt hat. Dann investiert man wieder in Aktien/Aktienfonds, mit ein bisschen Goldbeimischung.

2. Diese Strategie wird mit einigen Grundannahmen (Inflation, Einkommen, Zinsen, ein Erbe zwischendrin, Instandhaltung für das Haus) durchgerechnet, die Autoren kommen zum Ergebnis, dass diese Strategie zu einem Vermögen von 479.000 Euro im Alter von 67 führt. Dem gegenüber steht die “klassische” Altersvorsorge mit der Kapitallebensversicherung, die wegen der geringen Rendite aber nur zu einem Vermögen von 350.000 Euro führt. Mit der gemischten Sachwertestrategie aus Aktien, Immobilie und Gold stünde man somit um 129.000 Euro besser da, so das Fazit der Autoren, das mit dieser Grafik veranschaulicht wird:

Auf den ersten Blick beim flüchtigen Drüberlesen mag das soweit alles ganz nachvollziehbar sein und sinnvoll klingen. Bis man ein bisschen in die Details geht, dann wir schnell klar wie desaströs sich der Kauf der kreditfinanzierten Immobilie auf das Vermögen auswirkt.

Alter 25-40:

In dieser Phase wird in Aktien investiert, mit einer anfänglichen monatlichen Sparrate von 200 Euro und einer Dynamisierung von 2% pro Jahr als Inflationsausgleich. Bei einer angenommenen Rendite von 8% (sehr ambitioniert, ich würde eher mit 4-5% kalkulieren, aber übernehmen wir mal die Zahlen von Focus Money) hat man dann mit 40 ein Vermögen von 68.575 Euro. So weit bin ich noch bei den Autoren.

Alter 40-50:

Nun wird’s komplizierter. Die Autoren berechnen für den Kauf der Immobilie (253.000 Euro) eine monatliche Belastung von 1710 Euro, damit der Kredit  von 108.000 Euro nach 10 Jahren abbezahlt ist (Eigenkapital sind das zuvor angesparte Vermögen plus ein Erbteil von 75.000 Euro). Sie betrachten dies als eine Mehrbelastung von nur 240 Euro gegenüber dem alternativen Szenario, dass die Familie in einer Mietwohnung lebt. Denn für die Mietwohnung werden 1200 Euro veranschlagt, außerdem würde der Sparplan aus der ersten Phase weiterlaufen müssen.

Mehr als einen Satz verlieren die Autoren aber leider nicht über dieses alternative Szenario. Ich möchte mir diese Mühe aber gerne machen und rechne daher damit, dass die Familie anstatt ein Eigenheim zu kaufen in einer geräumigen Mietwohnung wohnt und dafür die genannten 1200 Euro Miete bezahlt. Das Vermögen aus Phase 1 bleibt also unangetastet und wird noch um die 75.000 Euro aus dem Erbe aufgestockt. Der auf Aktien basierende Sparplan läuft wie gehabt weiter. Der Einfachheit halber nehme ich dieselben Zahlen wie Focus Money, also 8% jährliche Rendite (obwohl ich das eigentlich für hochgradig unrealistisch halte) und übernehme die Dynamisierung von 2%. Damit komme ich nach weiteren 10 Jahren auf ein Aktien-Vermögen von nunmehr 357.039 Euro.

Alter 50-67:

Da die Immobilie abbezahlt ist, wird in der Focus Money-Variante nun wieder in andere Sachwerte investiert. Die Autoren verändern den Mix etwas und geben der Sicherheit wegen Gold bei (wobei sie von einer Preissteigerung auf Inflationsniveau, also 2% ausgehen). Völlig schleierhaft ist mir, warum die Autoren trotz der abbezahlten Immobilie nur von einem initialen monatlichen Sparbetrag von 350 Euro ausgehen (plus Gold für ca. 600 Euro/Jahr), obwohl der Besitzer des abbezahlten Hauses nun eigentlich deutlich mehr ansparen könnte, theoretisch weit über 1000 Euro pro Monat. Jedenfalls kommen sie so auf 172.000 Euro nach 17 Jahren, also zum Renteneintritt. Obendrauf kommt der Wert des Hauses, was das Gesamtvermögen von 479.000 Euro ergibt.

Mit der auf Grund des veränderten Mixes reduzierten Rendite von 6% (die ich immer noch für etwas optimistisch halte) rechne ich nun die neuen Investments des Mieters durch. Mit dem Gold & Aktien-Mix komme ich als Mieter in den 17 Jahren auf Erspartes von 120.000 Euro, also deutlich weniger als in der Variante der Autoren, denn ich muss ja weiter Miete zahlen und kann weniger ansparen als der Hausbesitzer.

Aber was wurde aus den Aktien, in die der Mieter seit seinem 25. Lebensjahr brav Monat für Monat ein bisschen Geld gesteckt hat? Die liefern natürlich weiterhin die angenommene Rendite von 8%, und sind damit bei Renteneintritt schlanke 1,32 Millionen Euro wert! Damit beläuft sich das Vermögen eines Mieters, der neben seiner Miete jeden Monat brav 200-300 Euro angespart hat, im Alter von 67 auf 1,44 Millionen Euro, während der Häuslebauer in der Berechnung von Focus Money gerade mal auf läppische 479.000 Euro kommt, also etwa ein Drittel. Zur Veranschaulichung:

Wie ist das möglich? Ganz einfach: Das Kernproblem ist, dass in der von Focus Money als “lohnenswert” bezeichneten Sachwerte-Strategie die in den Jugendjahren angesparten Aktien, die Jahr für Jahr satte 8% Rendite abwerfen, im Alter von 40 Jahren verkauft werden um zusammen mit der Erbschaft als Eigenkapital für eine Immobilie zu dienen. Diese Immobilie ist aber nicht nur wenig rentabel, nein, sie soll obendrein auch noch auf Pump finanziert werden, weshalb 10 Jahre lang Geld an die Bank überwiesen werden muss. Selbst wenn der Mieter aufhören würde, weiter anzusparen und sein ganzes Einkommen versaufen würde, wäre er allein durch die 8% Rendite pro Jahr auf das bis dahin erreichte Vermögen von 143.575 Euro (Aktien + Erbe) bei Renteneintritt Millionär! Zinseszins rules!

Die “lohnenswerte Strategie” von Focus Money empfiehlt also das denkbar dümmste, was man im Hinblick auf die Altersvorsorge machen kann: Ein hochrentables Investment verkaufen, um damit eine wenig rentable Immobilie, die noch dazu teilweise fremdfinanziert werden muss, zu kaufen. Dass diese “Strategie” überhaupt besser abschneidet als die Kapitallebensversicherungen liegt allein an der hohen angenommenen Rentabilität der Aktieninvestments in den Lebensjahren 25-40 und 50-67. Wenn hier die Rendite nicht bei 8% liegen würde sondern bei realistischeren 4-5%, würde die durch den Kredit unrentable Immobilie die ganze Strategie wahrscheinlich sogar noch schlechter als die Lebensversicherung abschneiden lassen! Die Mietstrategie kommt dagegen selbst mit der realistischeren Rendite auf ein viel höheres Vermögen bei Rentenantritt.

Damit mich keiner falsch versteht: Eine eigene Immobilie kann ein lohnenswertes Investment sein, wenn man damit Ziele wie Lebensqualität, Platz für eine Familie oder die Realisierung eines Traums verfolgt. Unter dem Gesichtspunkt der Altersvorsorge macht sie aber wenig Sinn, vor allem wenn sie fremdfinanziert wird.

PS: Danke für den Artikel-Tipp an Kai!

Ja, da war es heute also passiert, die Mitgliederbasis der Grünen wählte in der ersten derartigen Urwahl Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Katrin… wer? Das dürfte auch die erste Reaktion in der Spiegel Online Redaktion gewesen sein, danach brach wohl hektische Geschäftigkeit aus, schließlich musste das Sensationsergebnis ja gebührend gewürdigt und kommentiert werden. Dabei scheint es ordentlich drunter und drüber gegangen zu sein, denn anders kann ich mir nicht erklären, dass heute im Abstand weniger Stunden zwei Kommentare auf SpON erschienen, deren jeder  das Gegenteil vom jeweils anderen behauptet.

Der erste (verfasst von Ralf Beste) erklärt den überraschenden Sieg von Frau Göring-Eckardt damit, dass sie in den letzten Jahren einen “beherzten Linksschwenk” vollzogen habe, und sich nun “brennend auf ein Bündnis mit den Sozis freut”. Ein paar Stunden später erscheint dann der zweite Kommentar (von Christoph Schwennicke) und erklärt ab sofort schwarz-grün zur bevorzugten Koalition der Grünen. Denn die hätten ja durch die Wahl von Frau Göring-Eckardt, der “Kirchenfrau”, die mit der SPD “noch nie viel anfangen” konnte, ihr konservatives Gesicht gezeigt.

Also entweder ist die gute Frau sowas wie der deutsche Mitt Romney, oder bei den Spiegel-Redakteuren herrscht genauso große Ahnungslosigkeit über die Spitzenkandidatin wie bei mir.

Jeder, der schon mal an einem Bahnhofskiosk ein Magazin für die Reise gekauft hat, kennt sie, die Börsenratgeber. Es gibt sie haufenweise und sie überschlagen sich mit angeblich gewinnbringenden Tipps und unfehlbaren Analysen. Was man von diesem Quatsch zu halten hat, bekommt man demonstriert, wenn man Focus Money Ausgabe 33/2012 zur Hand nimmt und sich die Titelstory etwas genauer anschaut. Unter der Überschrift “In 192 Stunden gewinnen” (Artikel steht auch online zur Verfügung) und mit markigen Versprechungen wird dort eine atemberaubend einfache Strategie gepriesen:

Den Dax und den S&P-500 deutlich abgehängt. Das gelingt nur den wenigsten Profis. Eine einfache Strategie aber schafft das locker – seit 17 Jahren…

Wow, eine einfache Strategie, mit der sich der Markt regelmäßig schlagen lässt? Das würde ja sämtliche Theorien der Finanzmärkte, denen zufolge sich der Markt eben nicht nachhaltig schlagen lässt, über den Haufen werfen. Eine Sensation! Und die Idee klingt tatsächlich im ersten Moment einfach und clever:

Nur 192 Stunden pro Jahr investieren. Das sind umgerechnet acht Tage. Und damit 250 Prozent Gewinn machen. Das geht. Mit einer Strategie, die so einfach ist, dass Sie es kaum glauben werden. Sie müssen nur exakt 24 Stunden bevor die US-Notenbank Federal Reserve ihre regelmäßigen Zinsentscheidungen bekannt gibt einen börsennotierten Aktien-Indexfonds, einen sogenannten ETF, auf den US-Aktienindex S&P-500 kaufen – und kurz vor der Bekanntgabe des Zinsentscheids, in der Regel um 20.15 Uhr unserer Zeit, wieder verkaufen. Die restlichen 357 Tage bleiben Sie im Tagesgeld.

Irgendwie scheint die Strategie auf der medialen Aufmerksamkeit rund um die Fed-Entscheidung und der damit zusammenhängenden Unsicherheit im Markt zu beruhen. Im Artikel wird dann noch ausführlich erklärt, wie die Zusammenhänge genau sein sollen, und da klingt das dann auch schon gar nicht mehr so einfach und nachvollziehbar. Wie lächerlich die gepriesene, angebliche Gewinn-Strategie aber ist, macht ein einziger Blick auf eine dem Artikel beigefügte Grafik deutlich:

Die Behauptungen, der Markt würde mit dieser Strategie “deutlich geschlagen”, und das “seit 17 Jahren” sind nämlich nach den eigenen Berechnungen von Focus Money schlicht und ergreifend falsch. Die Grafik zeigt deutlich, dass die Fed-Strategie erst seit Ausbruch der Finanzkrise, also in den letzten 4 Jahren, deutlich besser performed als der Markt insgesamt. In den 13 Jahren davor war man mit der hochgelobten Strategie deutlich schlechter dran, als wenn man dauerhaft in einen ETF auf den S&P-500 investiert gewesen wäre. Ist halt doch nicht so einfach, den Markt zu schlagen.

Stellen sich zwei Fragen: Werden die Titelstories bei Focus Money eigentlich von irgendjemandem Korrektur gelesen? Oder geht man davon aus, dass die Leser solchen offensichtlichen Quatsch einfach für bare Münze nehmen?

 

SpON hat sich mal wieder selbst übertroffen :-)

PS: Die nicht-anonymisierte Namensnennung ist inzwischen komplett gestrichen.

Heute morgen warf ich einen Blick auf ZeitOnline und sah dort den folgenden Artikel, bei dem sich mir angesichts der Schuldenkrise gleich mal das Frühstück im Magen umdrehte:

Unsere Regierung! Hat mal wieder nix gelernt aus den Fehlern, die Griechen, Italiener und andere sympathische Leute gemacht haben und für die sie gerade bitterst bezahlen! Natürlich hab ich mir den Artikel zum Lesen vorgemerkt, schließlich will ich ja wissen, warum in Dreiteufelsnamen wir trotz dieser erschreckenden Beispiele und sprudelnden Steuereinnahmen es nicht auf die Reihe kriegen, unsere Neuverschuldung zu senken.

Umso größer meine Verwunderung, als ich mich nach Feierabend dem Artikel widme und sehe, dass die Überschrift geändert wurde und die Neuverschuldung anscheinend doch nicht höher, sondern anscheinend sogar niedriger ausfällt (wenn man den Teaser mitliest):

Sind doch dufte Kerle, die Röslers, Schäubles und Merkels! Bis ich den Artikel tatsächlich auch tatsächlich las. Denn die Überschrift von heute morgen war absolut korrekt, wenn man die für 2012 beschlossene Neuverschuldung (26 Mrd) mit der Neuverschuldung von 2011 (22 Mrd) vergleicht. Das ist eine stolze Erhöhung der Kreditaufnahme um 18 Prozent!

Und plötzlich wunderte ich mich gar nicht mehr so sehr über die Neuverschuldung, sondern vielmehr darüber, wieso die Zeit ihre absolut richtige, faktisch zutreffende Artikelüberschrift wohl geändert haben könnte.

Was sind also nachvollziehbare und übliche Gründe für Redakteure, eine Überschrift zu ändern?

  • Weil sie nicht in eine Zeile passt und zu viel Platz wegnimmt? Das trifft auf die neue Überschrift zu, die alte war perfekt auf eine Zeile getrimmt.
  • Weil sie langweilig ist und keine Klicks generiert? Ich würde ja behaupten, dass eine wertende Aussage wie “höher” tendenziell mehr Aufmerksamkeit erregt als eine nackte Zahl.
  • Weil sie faktisch falsch ist? Beide Überschriften sind gleichermaßen richtig.
  • Weil sie sich mit der Unterzeile beisst? Dann hätte man einfach in der Unterzeile “1,1 Milliarden Euro weniger als im Entwurf von Schäuble” durch “4 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr” ersetzen können.

Fazit: Ich kann keinen Grund erkennen, der für die neue Überschrift und gegen die alte spräche – außer vielleicht, dass die Zeit nicht wusste, was der Artikel eigentlich aussagen sollte oder dass die bürgerliche Koalition mit der neuen Variante weniger inkompetent aussieht. Beides finde ich gleichermaßen erbärmlich.

Nicht nur ich, auch meine Freunde und Bekannten in Japan raufen sich seit Tagen die Haare angesichts der Berichterstattung in den deutschen Medien. Was da teilweise an verworrenem Unsinn versehen mit einer möglichst bedrohlich/gefährlich klingenden Headline auf die Leser losgelassen wird, ist schon erschreckend. Panikmache und Sensationsgier statt fundierte Information wohin man nur schaut.

Vorläufiger Höhepunkt dürfte der Brennpunkt in der ARD gewesen sein, in dem so lebensnotwendige Zuschauerfragen wie “Kann man eigentlich noch Fischstäbchen essen” oder “Kann ich unbesorgt in den Thailandurlaub fliegen” beantwortet wurden. Nein, ich will hier nicht Menschen, die sich zunächst um ihren eigenen Alltag und den Einfluss einer solchen Katastrophe auf ihr eigenes Leben Gedanken machen, kritisieren. Ich will die Berichterstattung kritisieren, die durch eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und Sensationslust dazu führt, dass sich die Menschen mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen!

In dieser Hinsicht haben heute (mal wieder) die Jungs von Spiegel Online den Vogel abgeschossen:

Der Artikel sagt doch tatsächlich aus, die per Wasserwerfer von der Feuerwehr von außen auf das Reaktorgebäude gesprühten Wassermassen sollten den Druck im Reaktor senken, hätten dieses Ziel jedoch verfehlt. Was natürlich völliger Quatsch ist, denn die Kühlung per Wasserstrahl von außen zielt auf das oberhalb des Reaktors befindliche Abklingbecken, das seit der Zerstörung der Dachkonstruktion in einer Explosion mehr oder weniger frei zugänglich ist. Mit dem Reaktor selbst hat das überhaupt nichts zu tun, was vom Regierungssprecher Yukio Edano so auch klipp und klar in einer Pressekonferenz gesagt wurde.

Offenbar hat der Autor des wohl teilweise von der dpa stammenden Artikels also nicht nur nach 9 Tagen “Atomkatastrophe” immer noch nicht mal grundlegendste Zusammenhänge verstanden, auch die offiziellen Informationen der Regierung werden nicht beachtet.

Daher habe ich hier mal eine Infografik speziell auf das Niveau des in Nukleartechnologie und Recherche wenig bewanderten, dafür aber umso gestressteren Journalisten abgestimmt:

Da ich keinen Fernseher habe, kann ich TV-Spots tatsächlich genießen…

Nummer 1: Apple Mac
Man kann von Apple halten was man will, aber sie machen einfach coole Werbung :-) Highlight hier natürlich der weinerliche HAL: “You like your Mac better than me, don’t you, Dave?” lol

Nummer 2: Nike Realcity
Realisiert von Koji Morimoto und dem Studio4° in unverkennbarer Dynamik, Bildsprache und Farbgewalt. Einfach der Hammer.

Nummer 3: Sony Bravia
Wo wir grade bei Farben sind… explosiver hat wohl noch nie jemand Farbenspiele für einen Werbespot eingesetzt. Sehr geil gemacht, besonders wie der Clown den Höhepunkt einleitet.

Nummer 4: Parkinson Society Canada
Schluck. Das geht unter die Haut.

Nummer 5: Carlton Draught
Der definitive und absolut endgültige Kommentar zu Gigantomanie und Special-Effects-Schlachten in Werbespots (und Filmen und Serien…)

Nummer 6: Mercedes Benz
Ich liebe diesen Spot! Um den Gag zu verstehen, muss man sich in den letzten 10-12 Jahren allerdings ein bisschen mit Formel1 beschäftigt haben…

Nummer 7: Entwurf für einen Lego Werbespot
So einfach, sympathisch, freundlich – genau wie Lego eben ist. Besser kann man die Message kaum rüberbringen. Der beste Werbespot, der nie umgesetzt wurde…

Nummer 8: Nissin Cup Noodles
Sind sie nicht süß, die kleinen hungrigen Menschlein?

Nummer 9: Vodafone
Mein Lieblings-Spot aus der Zoozoo-Reihe, die Vodafone in Indien nutzte. Sehr süß gemacht, und in Kombination mit Star Wars unschlagbar :-)

Nummer 10: Nokia N900
Irgendwie hat der Spot was unfreiwillig ironisches. Beim Ansehen drängt sich mir unweigerlich die Frage auf, ob die Produkt-Meetings bei Nokia in den letzten Jahren nicht tatsächlich so aussehen :-)

Groß war der Jubel, als mein Arbeitgeber vor einigen Wochen bekanntgab, dass alle Mitarbeiter ein mobiles Gerät ihrer Wahl zur Verfügung gestellt bekommen würden. Aus Neugier (und weil ich mit meinem G1 nach wie vor sehr zufrieden bin und kein neues Handy brauche) habe ich mich für ein iPad entschieden. Gespannt wie ein Flitzebogen holte ich das mythenumwehte Gerät von der IT ab und begann meine Reise in eine unbekannte Welt.

Der erste Eindruck: Ein sehr edles Ding – schwerer als ich gedacht hatte – mit einem wirklich grandiosen Bildschirm. Das Herumschieben und -zoomen von Objekten, die fließenden Bewegungen auf dem Screen strömen eine ganz eigene Faszination, ja, Magie aus.

Der zweite Eindruck: Ohweia, was ist das denn für eine Tastatur?!? Schon die Eingabe von E-Mail-Adresse und Passwörtern ist eine Qual, weil Sonderzeichen, die auf meinem G1 auf eine Tastatur passen, beim iPad auf drei verteilt sind, zwischen denen man ständig hin- und herwechseln muss. Den Versuch, das iPad zum Anlegen von Meeting-Notizen zu nutzen, breche ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehend ab.

Der dritte Eindruck: Wieso zum Teufel kann ich da keine Dateien drauf ziehen?!? Am Rechner eingestöpselt wird das iPad natürlich gleich erkannt – nur um sich als Sackgasse zu erweisen. Dass ich iTunes nutzen muss, um Bilder, Filme, Musik oder Dokumente auf das iPad zu kopieren, macht ja wohl nur durch die Monopolbrille von Apple Sinn, aber nicht für den Nutzer. Ich beginne, das iPad als “Ding” zu bezeichnen.

Der vierte Eindruck: Ich bin nicht berechtigt, einen iTunes-Account anzulegen!?! Jedenfalls bekomme ich beim ersten Versuch eine entsprechende Meldung und darf die (langwierige) Registrierung wiederholen. Ich bin kurz davor, das Ding im hohen Bogen aus dem Fenster zu schmeißen!

Der letzte Eindruck: Inzwischen ist mir klar, dass das Ding für mich völlig überflüssig und zu überhaupt nichts zu gebrauchen ist. Jedes Mal, wenn ich es in die Hand nahm, verkürzte sich die Zeit, bis ich es nur noch auf den Boden donnern und darauf herumtrampeln wollte. Jetzt liegt das Ding unbenutzt in der Schreibtischschublade und da wird es wohl auch bis in alle Ewigkeit bleiben.

Aber eines ließ mir keine Ruhe: Wieso finden viele meiner Kollegen, die das Ding auch bestellt haben, es so toll? Während es für mich einfach nur ein überflüssiges, nerviges Spielzeug ist?

Die Antwort fiel mir vorhin wie Schuppen von den Augen, als ich kurz überlegt habe, ob ich mir auf Zattoo die Tagesschau anschauen soll: Das iPad ist das Äquivalent zum Fernseher! Es ist ganz auf Konsum von Webseiten, Fotos, Filmen, Musik ausgelegt, erfordert also einen passiven Nutzer, der berieselt wird. Aktivität, Produktivität sind zwar theoretisch möglich, aber ungefähr so komfortabel wie das Navigieren von Videotext-Tafeln mittels der Fernbedienung des Fernsehers. Und einen Fernseher habe ich noch nie besessen. Ich habe einfach keine Verwendung für ein Gerät, das den Nutzer in eine passive Rolle zwingt.

PS:
Anstatt die Tagesschau zu gucken, hab ich lieber diesen Blogpost geschrieben.

Grade auf SPon gesehen, dass die Kanzlerin jetzt eine “Integrationsdebatte ohne Tabus” fordert. Jawoll, endlich!

Merkel redet jetzt Tacheles und spricht auch unbequeme Themen an, die man bisher gerne unter den Teppich gekehrt hat. Wie etwa das völlig Versagen aller bisherigen Regierungen in der Integrationspolitik. Oder den alltäglichen Rassismus, dem Migranten permanent ausgesetzt sind und der dazu führt, dass Schüler mit ausländischen Namen schlechtere Noten bekommen (bei gleichen Leistungen) und hochqualifizierte Migranten als Taxifahrer arbeiten müssen, weil ihre ausländischen Universitäts-Abschlüsse hierzulande nicht anerkannt werden.

In “Bild am Sonntag” sagte sie, die statistisch erwiesene erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher dürfe man nicht tabuisieren: “Das ist ein großes Problem, und wir können offen darüber sprechen, ohne dass der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufkommt.”

Danke, Frau Merkel, dass Sie den Mut aufgebracht haben, dieses Tabu-Thema den Stammtischen zum Fraß vorzuwerfen! So kommt endlich frischer Wind in die Integrationsdebatte!

Manche Leute versuchen es trotzdem, immer und immer wieder, vorzugsweise etwa für die Wirtschaftsentwicklung oder für Aktienkurse. Diese “Expertenprognosen” sind in der Regel nichts anderes als medial inszeniertes Herumraten, wie man hier oder hier schön nachlesen kann. Auch vor dem Beginn einer Bundesligasaison wird gerne mal prognostiziert. Das Problem ist, dass sich hinterher kaum jemand an die falschen Prognosen erinnert – dem wollen wir jetzt mal entgegenwirken!

Christoph Biermann, von mir geschätzter Autor einiger der interessantesten deutschsprachigen Bücher über Fußball, hat sich heute für Spiegel Online an einer Prognose versucht, welche Vereine die übermorgen beginnende Bundesligasaison im sogenannten “Niemandsland der Tabelle” – den Plätzen 7 bis 12 – beenden werden.

Seine Vorhersage:

7. Werder Bremen
8. VfB Stuttgart
9. Eintracht Frankfurt
10. Borussia Mönchengladbach
11. TSG Hoffenheim
12. FC Köln

Manchmal kann es aber ganz hilfreich sein, Prognosen abzugeben, wenn man sich dabei die Unvorhersehbarkeit der Zukunft zunutze macht. Deshalb prognostiziere ich hiermit, dass Christoph Biermann mit allen oben genannten Platzierungen falsch liegt. :-D




plugin by DynamicWP
#