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Heute morgen warf ich einen Blick auf ZeitOnline und sah dort den folgenden Artikel, bei dem sich mir angesichts der Schuldenkrise gleich mal das Frühstück im Magen umdrehte:

Unsere Regierung! Hat mal wieder nix gelernt aus den Fehlern, die Griechen, Italiener und andere sympathische Leute gemacht haben und für die sie gerade bitterst bezahlen! Natürlich hab ich mir den Artikel zum Lesen vorgemerkt, schließlich will ich ja wissen, warum in Dreiteufelsnamen wir trotz dieser erschreckenden Beispiele und sprudelnden Steuereinnahmen es nicht auf die Reihe kriegen, unsere Neuverschuldung zu senken.

Umso größer meine Verwunderung, als ich mich nach Feierabend dem Artikel widme und sehe, dass die Überschrift geändert wurde und die Neuverschuldung anscheinend doch nicht höher, sondern anscheinend sogar niedriger ausfällt (wenn man den Teaser mitliest):

Sind doch dufte Kerle, die Röslers, Schäubles und Merkels! Bis ich den Artikel tatsächlich auch tatsächlich las. Denn die Überschrift von heute morgen war absolut korrekt, wenn man die für 2012 beschlossene Neuverschuldung (26 Mrd) mit der Neuverschuldung von 2011 (22 Mrd) vergleicht. Das ist eine stolze Erhöhung der Kreditaufnahme um 18 Prozent!

Und plötzlich wunderte ich mich gar nicht mehr so sehr über die Neuverschuldung, sondern vielmehr darüber, wieso die Zeit ihre absolut richtige, faktisch zutreffende Artikelüberschrift wohl geändert haben könnte.

Was sind also nachvollziehbare und übliche Gründe für Redakteure, eine Überschrift zu ändern?

  • Weil sie nicht in eine Zeile passt und zu viel Platz wegnimmt? Das trifft auf die neue Überschrift zu, die alte war perfekt auf eine Zeile getrimmt.
  • Weil sie langweilig ist und keine Klicks generiert? Ich würde ja behaupten, dass eine wertende Aussage wie “höher” tendenziell mehr Aufmerksamkeit erregt als eine nackte Zahl.
  • Weil sie faktisch falsch ist? Beide Überschriften sind gleichermaßen richtig.
  • Weil sie sich mit der Unterzeile beisst? Dann hätte man einfach in der Unterzeile “1,1 Milliarden Euro weniger als im Entwurf von Schäuble” durch “4 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr” ersetzen können.

Fazit: Ich kann keinen Grund erkennen, der für die neue Überschrift und gegen die alte spräche – außer vielleicht, dass die Zeit nicht wusste, was der Artikel eigentlich aussagen sollte oder dass die bürgerliche Koalition mit der neuen Variante weniger inkompetent aussieht. Beides finde ich gleichermaßen erbärmlich.

Nicht nur ich, auch meine Freunde und Bekannten in Japan raufen sich seit Tagen die Haare angesichts der Berichterstattung in den deutschen Medien. Was da teilweise an verworrenem Unsinn versehen mit einer möglichst bedrohlich/gefährlich klingenden Headline auf die Leser losgelassen wird, ist schon erschreckend. Panikmache und Sensationsgier statt fundierte Information wohin man nur schaut.

Vorläufiger Höhepunkt dürfte der Brennpunkt in der ARD gewesen sein, in dem so lebensnotwendige Zuschauerfragen wie “Kann man eigentlich noch Fischstäbchen essen” oder “Kann ich unbesorgt in den Thailandurlaub fliegen” beantwortet wurden. Nein, ich will hier nicht Menschen, die sich zunächst um ihren eigenen Alltag und den Einfluss einer solchen Katastrophe auf ihr eigenes Leben Gedanken machen, kritisieren. Ich will die Berichterstattung kritisieren, die durch eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und Sensationslust dazu führt, dass sich die Menschen mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen!

In dieser Hinsicht haben heute (mal wieder) die Jungs von Spiegel Online den Vogel abgeschossen:

Der Artikel sagt doch tatsächlich aus, die per Wasserwerfer von der Feuerwehr von außen auf das Reaktorgebäude gesprühten Wassermassen sollten den Druck im Reaktor senken, hätten dieses Ziel jedoch verfehlt. Was natürlich völliger Quatsch ist, denn die Kühlung per Wasserstrahl von außen zielt auf das oberhalb des Reaktors befindliche Abklingbecken, das seit der Zerstörung der Dachkonstruktion in einer Explosion mehr oder weniger frei zugänglich ist. Mit dem Reaktor selbst hat das überhaupt nichts zu tun, was vom Regierungssprecher Yukio Edano so auch klipp und klar in einer Pressekonferenz gesagt wurde.

Offenbar hat der Autor des wohl teilweise von der dpa stammenden Artikels also nicht nur nach 9 Tagen “Atomkatastrophe” immer noch nicht mal grundlegendste Zusammenhänge verstanden, auch die offiziellen Informationen der Regierung werden nicht beachtet.

Daher habe ich hier mal eine Infografik speziell auf das Niveau des in Nukleartechnologie und Recherche wenig bewanderten, dafür aber umso gestressteren Journalisten abgestimmt:

Da ich keinen Fernseher habe, kann ich TV-Spots tatsächlich genießen…

Nummer 1: Apple Mac
Man kann von Apple halten was man will, aber sie machen einfach coole Werbung :-) Highlight hier natürlich der weinerliche HAL: “You like your Mac better than me, don’t you, Dave?” lol

Nummer 2: Nike Realcity
Realisiert von Koji Morimoto und dem Studio4° in unverkennbarer Dynamik, Bildsprache und Farbgewalt. Einfach der Hammer.

Nummer 3: Sony Bravia
Wo wir grade bei Farben sind… explosiver hat wohl noch nie jemand Farbenspiele für einen Werbespot eingesetzt. Sehr geil gemacht, besonders wie der Clown den Höhepunkt einleitet.

Nummer 4: Parkinson Society Canada
Schluck. Das geht unter die Haut.

Nummer 5: Carlton Draught
Der definitive und absolut endgültige Kommentar zu Gigantomanie und Special-Effects-Schlachten in Werbespots (und Filmen und Serien…)

Nummer 6: Mercedes Benz
Ich liebe diesen Spot! Um den Gag zu verstehen, muss man sich in den letzten 10-12 Jahren allerdings ein bisschen mit Formel1 beschäftigt haben…

Nummer 7: Entwurf für einen Lego Werbespot
So einfach, sympathisch, freundlich – genau wie Lego eben ist. Besser kann man die Message kaum rüberbringen. Der beste Werbespot, der nie umgesetzt wurde…

Nummer 8: Nissin Cup Noodles
Sind sie nicht süß, die kleinen hungrigen Menschlein?

Nummer 9: Vodafone
Mein Lieblings-Spot aus der Zoozoo-Reihe, die Vodafone in Indien nutzte. Sehr süß gemacht, und in Kombination mit Star Wars unschlagbar :-)

Nummer 10: Nokia N900
Irgendwie hat der Spot was unfreiwillig ironisches. Beim Ansehen drängt sich mir unweigerlich die Frage auf, ob die Produkt-Meetings bei Nokia in den letzten Jahren nicht tatsächlich so aussehen :-)

Groß war der Jubel, als mein Arbeitgeber vor einigen Wochen bekanntgab, dass alle Mitarbeiter ein mobiles Gerät ihrer Wahl zur Verfügung gestellt bekommen würden. Aus Neugier (und weil ich mit meinem G1 nach wie vor sehr zufrieden bin und kein neues Handy brauche) habe ich mich für ein iPad entschieden. Gespannt wie ein Flitzebogen holte ich das mythenumwehte Gerät von der IT ab und begann meine Reise in eine unbekannte Welt.

Der erste Eindruck: Ein sehr edles Ding – schwerer als ich gedacht hatte – mit einem wirklich grandiosen Bildschirm. Das Herumschieben und -zoomen von Objekten, die fließenden Bewegungen auf dem Screen strömen eine ganz eigene Faszination, ja, Magie aus.

Der zweite Eindruck: Ohweia, was ist das denn für eine Tastatur?!? Schon die Eingabe von E-Mail-Adresse und Passwörtern ist eine Qual, weil Sonderzeichen, die auf meinem G1 auf eine Tastatur passen, beim iPad auf drei verteilt sind, zwischen denen man ständig hin- und herwechseln muss. Den Versuch, das iPad zum Anlegen von Meeting-Notizen zu nutzen, breche ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehend ab.

Der dritte Eindruck: Wieso zum Teufel kann ich da keine Dateien drauf ziehen?!? Am Rechner eingestöpselt wird das iPad natürlich gleich erkannt – nur um sich als Sackgasse zu erweisen. Dass ich iTunes nutzen muss, um Bilder, Filme, Musik oder Dokumente auf das iPad zu kopieren, macht ja wohl nur durch die Monopolbrille von Apple Sinn, aber nicht für den Nutzer. Ich beginne, das iPad als “Ding” zu bezeichnen.

Der vierte Eindruck: Ich bin nicht berechtigt, einen iTunes-Account anzulegen!?! Jedenfalls bekomme ich beim ersten Versuch eine entsprechende Meldung und darf die (langwierige) Registrierung wiederholen. Ich bin kurz davor, das Ding im hohen Bogen aus dem Fenster zu schmeißen!

Der letzte Eindruck: Inzwischen ist mir klar, dass das Ding für mich völlig überflüssig und zu überhaupt nichts zu gebrauchen ist. Jedes Mal, wenn ich es in die Hand nahm, verkürzte sich die Zeit, bis ich es nur noch auf den Boden donnern und darauf herumtrampeln wollte. Jetzt liegt das Ding unbenutzt in der Schreibtischschublade und da wird es wohl auch bis in alle Ewigkeit bleiben.

Aber eines ließ mir keine Ruhe: Wieso finden viele meiner Kollegen, die das Ding auch bestellt haben, es so toll? Während es für mich einfach nur ein überflüssiges, nerviges Spielzeug ist?

Die Antwort fiel mir vorhin wie Schuppen von den Augen, als ich kurz überlegt habe, ob ich mir auf Zattoo die Tagesschau anschauen soll: Das iPad ist das Äquivalent zum Fernseher! Es ist ganz auf Konsum von Webseiten, Fotos, Filmen, Musik ausgelegt, erfordert also einen passiven Nutzer, der berieselt wird. Aktivität, Produktivität sind zwar theoretisch möglich, aber ungefähr so komfortabel wie das Navigieren von Videotext-Tafeln mittels der Fernbedienung des Fernsehers. Und einen Fernseher habe ich noch nie besessen. Ich habe einfach keine Verwendung für ein Gerät, das den Nutzer in eine passive Rolle zwingt.

PS:
Anstatt die Tagesschau zu gucken, hab ich lieber diesen Blogpost geschrieben.

Grade auf SPon gesehen, dass die Kanzlerin jetzt eine “Integrationsdebatte ohne Tabus” fordert. Jawoll, endlich!

Merkel redet jetzt Tacheles und spricht auch unbequeme Themen an, die man bisher gerne unter den Teppich gekehrt hat. Wie etwa das völlig Versagen aller bisherigen Regierungen in der Integrationspolitik. Oder den alltäglichen Rassismus, dem Migranten permanent ausgesetzt sind und der dazu führt, dass Schüler mit ausländischen Namen schlechtere Noten bekommen (bei gleichen Leistungen) und hochqualifizierte Migranten als Taxifahrer arbeiten müssen, weil ihre ausländischen Universitäts-Abschlüsse hierzulande nicht anerkannt werden.

In “Bild am Sonntag” sagte sie, die statistisch erwiesene erhöhte Gewaltbereitschaft strenggläubiger muslimischer Jugendlicher dürfe man nicht tabuisieren: “Das ist ein großes Problem, und wir können offen darüber sprechen, ohne dass der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufkommt.”

Danke, Frau Merkel, dass Sie den Mut aufgebracht haben, dieses Tabu-Thema den Stammtischen zum Fraß vorzuwerfen! So kommt endlich frischer Wind in die Integrationsdebatte!

Manche Leute versuchen es trotzdem, immer und immer wieder, vorzugsweise etwa für die Wirtschaftsentwicklung oder für Aktienkurse. Diese “Expertenprognosen” sind in der Regel nichts anderes als medial inszeniertes Herumraten, wie man hier oder hier schön nachlesen kann. Auch vor dem Beginn einer Bundesligasaison wird gerne mal prognostiziert. Das Problem ist, dass sich hinterher kaum jemand an die falschen Prognosen erinnert – dem wollen wir jetzt mal entgegenwirken!

Christoph Biermann, von mir geschätzter Autor einiger der interessantesten deutschsprachigen Bücher über Fußball, hat sich heute für Spiegel Online an einer Prognose versucht, welche Vereine die übermorgen beginnende Bundesligasaison im sogenannten “Niemandsland der Tabelle” – den Plätzen 7 bis 12 – beenden werden.

Seine Vorhersage:

7. Werder Bremen
8. VfB Stuttgart
9. Eintracht Frankfurt
10. Borussia Mönchengladbach
11. TSG Hoffenheim
12. FC Köln

Manchmal kann es aber ganz hilfreich sein, Prognosen abzugeben, wenn man sich dabei die Unvorhersehbarkeit der Zukunft zunutze macht. Deshalb prognostiziere ich hiermit, dass Christoph Biermann mit allen oben genannten Platzierungen falsch liegt. :-D

WM-Zeit. Fußball allüberall. Warum also nicht meinen neuen Blog mit einem Post zum Fußball eröffnen?

Gerade haben sich im Vorbericht zum Achtelfinale Portugal vs. Spanien Olli Kahn und die Tante vom ZDF über Cristiano Ronaldo unterhalten. Aufhänger: Die letzten Sommer für ihn von Real Madrid gezahlte Ablösesumme von lumpigen 452 Fantastillarden Euro. Mit großen, ungläubigen Augen wirft die Reichsparteitags-Tante die Frage auf, ob ein Fußballspieler so viel wert sein könne. Olli druckst ein bisschen rum, beide wissen nicht so recht, was sie mit ihrer eigenen Verwunderung anfangen sollen, dabei ist die Antwort doch so einfach. Aber wahrscheinlich ging es auch gar nicht darum, die Frage zu beantworten, sondern einfach noch ein bisschen Zeit zu schinden bis zum Anpfiff. Wenn das mal der Schiri mitbekommen hätte!

Die Antwort liegt auf der Hand: Natürlich ist kein Fußballspieler eine Ablöse von fast 100 Mio Euro wert!

Real Madrid hat ja auch nicht nur einen Fußballer gekauft, sondern einen Weltfußballer, einen der bekanntesten Sportler der Welt, sprich: Eine Marke. Fußballer vom Kaliber eines Cristiano Ronaldo, Lionel Messi oder Fernando Torres haben in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie einen Wert, der ihre fußballerischen Fähigkeiten um ein Vielfaches übersteigt. Deshalb werden solche astronomischen Ablösesummen und Gehälter gezahlt, und nicht weil die Jungs so fein mit dem Ball umgehen können.




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