Archive for the ‘internet’ Category

Viel wird gesprochen über Online-Reputation und wie schnell man sich mit unbedachten Äußerungen im Netz selbige zerschießen kann. Immer wieder wird davon gesprochen, wie wichtig die Vermittlung von Medien-Kompetenz ist, und dem kann ich mich aus vielfacher persönlicher Erfahrung nur anschließen! Als Community Manager bei XING bekomme ich täglich Aussagen zu Gesicht, in denen sich erwachsene Menschen unter ihrem realen Namen in aller Öffentlichkeit lächerlich machen.

Gerade auf XING, einer Plattform für Business- und Karriere-Networking, sollte man doch eigentlich erwarten, dass die Nutzer sich und ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse möglichst in ein vorteilhaftes Licht stellen möchten. Doch anstatt sich als seriösen, vertrauenswürdigen und kompetenten Geschäftspartner oder potenziellen neuen Mitarbeiter zu positionieren, machen nicht wenige das genaue Gegenteil.

Folgende Beiträge stammen beispielsweise ganz aktuell aus einer öffentlich zugänglichen Diskussion über die Einführung neuer Funktionen auf XING und wurden – wie auf XING üblich – unter Klarnamen abgegeben, von zwei Mitgliedern die ihr Geld u.a. als freiberufliche Texter verdienen:

doof.

IST DAS SCHLECHT!

Ist sie nicht herrlich, diese Sprachgewalt, diese übersprudelnde Kreativität?! Und wie es den beiden gelungen ist, ihre vielschichtigen Ansichten und Meinungen sachlich, verständlich und allgemein nachvollziehbar auf den Punkt zu bringen! Eine intellektuelle und sprachliche Glanzleistung in jeder Hinsicht! Da möchte man doch gleich zum Telefon greifen und sich die Dienste sichern.

Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, im Netz auch mal Emotionen zu zeigen, oder etwas zu kritisieren. Die Regel “der Ton macht die Musik” gilt aber nicht nur im Real Life, sie gilt ganz besonders im Netz. Denn wenn man sich im normalen Leben mal einen kleinen Ausraster genehmigt, bekommen das nur wenige Menschen mit und vor allem haben diese Menschen in aller Regel auch einen größeren Kontext in dem sie ein einmaliges unpassendes Verhalten einordnen können (“er ist ja sonst ein total netter Kerl, drücken wir mal ein Auge zu”). Außerdem geraten solche Ausrutscher auch schnell in Vergessenheit – es sei denn natürlich, sie wiederholen sich.

Ein Leser im Netz dagegen hat in der Regel keinen Kontext, keine anderen positiven Erfahrungen, die ein Gegengewicht bilden dazu bilden, gegen das er abwägen könnte. Es ist der erste Eindruck, den der Leser von der Person bekommt, und der erste Eindruck zählt.

Einen vorbildlichen ersten Eindruck machen auch die Autoren dieser beiden Beiträge:

grrrrr…..
wie kann man diese neue Funktion “Aktivitäten Ihres Profils” ausblenden / bearbeiten ….. nerrrrvvvvvv

Haben da etwa neue Praktikanten angefangen?????
So sieht´s nämlich aus – wie Bastelwerk vom Ferienarbeiter!

Nochmal zur Erinnerung: Diese Aussagen sind möglicherweise bis in alle Ewigkeit unter den echten Namen der Autoren auf XING zu finden, auf einer Business- und Karriereplattform! Wenn man sich an irgendeinem Ort im Netz am Riemen reißen und sich positiv präsentieren sollte, dann doch wohl hier!

Kompliziertes Wort, wa? Es ist aber auch kompliziert, sich in die Denkstrukturen mancher Menschen zu versetzen, so auch die einiger meiner Nachbarn von gegenüber. Die wohnen in wunderbar lichtdurchfluteten Wohnungen, was an und für sich ne tolle Sache ist – allerdings braucht es dafür in Hamburg vollverglaste Wohnzimmer mit Südausrichtung. Und Süden bedeutet in diesem Fall, dass die vollverglasten Wohnzimmer auf die Barmbeker Straße gehen, eine der meistbefahrenen Durchgangsstraßen Hamburgs mit fast 40.000 Kfz am Tag.

So bekomme nicht nur ich mit, dass die Nachbarin im dritten Stock links an Sonntagen auch mal gern in Unterwäsche auf der Couch abhängt, oder dass die Nachbarn im zweiten Stock rechts sich keinen Tatort entgehen lassen. Jeden Tag könnten das potenziell zehntausende Passanten mitkriegen. Das hat die Leute aber nicht gehindert, 300.000 Euro und mehr für diese schicken lichtdurchfluteten Wohnungen zu bezahlen.

Doch eines Tages gab ein böser amerikanischer Großkonzern bekannt, Fotos von Straßenzügen allgemein zugänglich zu machen. Panik ergriff die Bewohner der Barmbeker Straße 40a/b angesichts dieses Eingriffs in ihre so sehr geschätzte, wohl gehütete Privatsphäre! Denn, oh Schreck, nun würde der Einblick in ihre Wohnzimmer nicht mehr auf ein paar zehntausend Hamburger beschränkt sein, plötzlich könnte jeder in ihr Heim spicken!

Also stürzten sich die Bewohner der Barmbeker Straße 40a/b unerschrocken in den Kampf um ihre Privatsphäre  und ließen ihre Hausfassade bei Google verpixeln. Jetzt können sie sich wieder beruhigt in die Abgeschiedenheit ihrer vollverglasten Wohnzimmer zurückziehen, im Vertrauen darauf, dass ihre Privatsphäre nur durch ein paar zehntausend Passanten am Tag kompromittiert wird.

Besagte Fassade sieht übrigens so aus (größere Variante auf Panoramio):

Als Community Manager bekomme ich reichlich Feedback rund um XING, von “Alles Scheisse!” bis zu “Ich möchte beim XML-Export der Liste meiner Event-Teilnehmer auch die Kommentare auswählen können”. Ein echter Evergreen ist dabei die Frage, wieso Leute anderen Leuten Nachrichten schreiben, wenn Sie denen die Möglichkeit zum Antworten unterbunden haben. Ich versuche mir das immer damit zu erklären, dass die User den entsprechenden Hinweis nicht lesen, der so aussieht:

Wobei, eigentlich kann man das Ding kaum übersehen. Aber vielleicht ist der Hinweis ja nicht klar genug formuliert und die User stellen die Verbindung dazu nicht her, dass sie es dem Adressaten ihrer Nachricht  untersagt haben, ihnen Nachrichten zu senden? Je mehr ich drüber nachdenke, um so wahrscheinlicher kommt mir das vor. Da sollten wir wohl nochmal dran feilen.

Was aber ganz und gar ärgerlich ist, sind Hinweistexte und Fehlermeldungen, die einfach nur einen offensichtlichen Sachverhalt benennen (“Es ist ein Fehler aufgetreten”), aber nicht über mögliche Konsequenzen oder weitere Schritte informieren. Über ein dickes Kaliber dieser Klasse bin ich heute gestolpert, als ich mich beim Online-Banking der ING-Diba anmelden wollte und einen Fehler bei der Eingabe meiner PIN gemacht habe. Da erschien folgender Hinweis:

Mit keinem Wort wird da erwähnt, dass eine erneute Fehleingabe zur Sperrung führt, was ja eine durchaus relevante Information wäre! Nichtsahnend hab ich die PIN erneut eingegeben (es hieß ja: “Einfach nochmal versuchen”) und weil ich die Feststell-Taste aktiviert hatte, bin ich auch prompt in die Falle getappt. Hier ließe sich mit einer kleinen Textänderung dem User vermitteln, dass der nächste Versuch passen muss, weil sonst die Zugangsdaten gesperrt werden. Kleine Änderung an der Fehlermeldung, großer Informationsgewinn für den User. Wenn er denn die Fehlermeldung liest. Aber vielleicht haben User auch aufgehört, Fehlermeldungen zu lesen, weil die uninformativ sind?

Fast jeder hat heute ein Facebook-Profil. Für mich ist es gewissermaßen eine berufliche Notwendigkeit, auf Facebook präsent zu sein. Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass es allerdings hauptsächlich 7 verschiedene Motivationen dafür gibt. Über welche Grundregeln man sich außerdem bewusst sein sollte, hat Jeremy Dean im geschätzten Psyblog ausführlicher aufgeschrieben:

  • Du solltest zwischen 100 und 300 Freunde haben (alles andere wirkt lächerlich)
  • Deine Freunde sollten möglichst attraktiv wirken (sonst ziehen sie dich in den Augen anderer runter)
  • Du kannst davon ausgehen, dass die meisten Dinge in den Profilen anderer stimmen
  • Dein Freund/Freundin wird dir durch das Profil mehr nachstöbern und tendenziell eifersüchtiger sein
  • und (surprise, surprise): Du solltest dir genau überlegen, was du von dir preisgibst

Die ausführliche Version wie gesagt auf dem Psyblog. Interessant daran fand ich vor allem, dass der Ratschlag aus dem Real Life “Umgib dich mit Menschen, die etwas hässlicher (oder weniger gutaussehend) sind als du selbst, um im Vergleich besser rüberzukommen” nicht für das eigene Profil im Social Network gilt. Ich vermute mal, dass ein Profil weniger als Individuum wahrgenommen wird als eine Person, die vor einem steht, sondern eher als Bestandteil eine Gruppe. Und wenn diese Gruppe tendenziell unattraktiv wirkt, färbt das auf das einzelne Profil ab.

Das aber nur in aller Schnelle dahin spekuliert, jetzt muss ich erstmal ne Gesichtskontrolle bei den Profilfotos meiner Freunde machen ;-)

Ich stelle mir das ungefähr so vor:

Just came across an impressive infographic about the size of the internet, which is estimated at 5 million Terabytes of data. This number comes from Google CEO Eric Schmidt and was apparently mentioned in an interview in 2005, so it’s totally outdated – but whether the internet is 5 million Terabytes or 500 million Terabytes is not the point. The point is that Google claims to have indexed 0.004 percent of all this!

Now we can safely say that if you can’t find something on Google, it will be pretty hard to find it at all – unless you already know where to look. Ergo,  99.996 percent of the internet are pretty much unknown.

Thanks to my dear colleague Vivian for sharing!




plugin by DynamicWP
#