Focus Money und die Gewinn-Strategie

Montag, August 20, 2012

Jeder, der schon mal an einem Bahnhofskiosk ein Magazin für die Reise gekauft hat, kennt sie, die Börsenratgeber. Es gibt sie haufenweise und sie überschlagen sich mit angeblich gewinnbringenden Tipps und unfehlbaren Analysen. Was man von diesem Quatsch zu halten hat, bekommt man demonstriert, wenn man Focus Money Ausgabe 33/2012 zur Hand nimmt und sich die Titelstory etwas genauer anschaut. Unter der Überschrift “In 192 Stunden gewinnen” (Artikel steht auch online zur Verfügung) und mit markigen Versprechungen wird dort eine atemberaubend einfache Strategie gepriesen:

Den Dax und den S&P-500 deutlich abgehängt. Das gelingt nur den wenigsten Profis. Eine einfache Strategie aber schafft das locker – seit 17 Jahren…

Wow, eine einfache Strategie, mit der sich der Markt regelmäßig schlagen lässt? Das würde ja sämtliche Theorien der Finanzmärkte, denen zufolge sich der Markt eben nicht nachhaltig schlagen lässt, über den Haufen werfen. Eine Sensation! Und die Idee klingt tatsächlich im ersten Moment einfach und clever:

Nur 192 Stunden pro Jahr investieren. Das sind umgerechnet acht Tage. Und damit 250 Prozent Gewinn machen. Das geht. Mit einer Strategie, die so einfach ist, dass Sie es kaum glauben werden. Sie müssen nur exakt 24 Stunden bevor die US-Notenbank Federal Reserve ihre regelmäßigen Zinsentscheidungen bekannt gibt einen börsennotierten Aktien-Indexfonds, einen sogenannten ETF, auf den US-Aktienindex S&P-500 kaufen – und kurz vor der Bekanntgabe des Zinsentscheids, in der Regel um 20.15 Uhr unserer Zeit, wieder verkaufen. Die restlichen 357 Tage bleiben Sie im Tagesgeld.

Irgendwie scheint die Strategie auf der medialen Aufmerksamkeit rund um die Fed-Entscheidung und der damit zusammenhängenden Unsicherheit im Markt zu beruhen. Im Artikel wird dann noch ausführlich erklärt, wie die Zusammenhänge genau sein sollen, und da klingt das dann auch schon gar nicht mehr so einfach und nachvollziehbar. Wie lächerlich die gepriesene, angebliche Gewinn-Strategie aber ist, macht ein einziger Blick auf eine dem Artikel beigefügte Grafik deutlich:

Die Behauptungen, der Markt würde mit dieser Strategie “deutlich geschlagen”, und das “seit 17 Jahren” sind nämlich nach den eigenen Berechnungen von Focus Money schlicht und ergreifend falsch. Die Grafik zeigt deutlich, dass die Fed-Strategie erst seit Ausbruch der Finanzkrise, also in den letzten 4 Jahren, deutlich besser performed als der Markt insgesamt. In den 13 Jahren davor war man mit der hochgelobten Strategie deutlich schlechter dran, als wenn man dauerhaft in einen ETF auf den S&P-500 investiert gewesen wäre. Ist halt doch nicht so einfach, den Markt zu schlagen.

Stellen sich zwei Fragen: Werden die Titelstories bei Focus Money eigentlich von irgendjemandem Korrektur gelesen? Oder geht man davon aus, dass die Leser solchen offensichtlichen Quatsch einfach für bare Münze nehmen?

 

2 Comments

  1. Raymond sagt:

    Secret shame is privately revisited repeatedly in
    an attempt to deal with the pain, and becomes fertile ground for distorted beliefs highly arrested for a painful
    emotional tag. For example: open inside your browser and check for anything (Twilight for example).
    Marc Cuban is rolling out a whole new movie theatre model like those that are springing
    up across the country.

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