Warum ändert man eine Artikelüberschrift?

Freitag, November 11, 2011

Heute morgen warf ich einen Blick auf ZeitOnline und sah dort den folgenden Artikel, bei dem sich mir angesichts der Schuldenkrise gleich mal das Frühstück im Magen umdrehte:

Unsere Regierung! Hat mal wieder nix gelernt aus den Fehlern, die Griechen, Italiener und andere sympathische Leute gemacht haben und für die sie gerade bitterst bezahlen! Natürlich hab ich mir den Artikel zum Lesen vorgemerkt, schließlich will ich ja wissen, warum in Dreiteufelsnamen wir trotz dieser erschreckenden Beispiele und sprudelnden Steuereinnahmen es nicht auf die Reihe kriegen, unsere Neuverschuldung zu senken.

Umso größer meine Verwunderung, als ich mich nach Feierabend dem Artikel widme und sehe, dass die Überschrift geändert wurde und die Neuverschuldung anscheinend doch nicht höher, sondern anscheinend sogar niedriger ausfällt (wenn man den Teaser mitliest):

Sind doch dufte Kerle, die Röslers, Schäubles und Merkels! Bis ich den Artikel tatsächlich auch tatsächlich las. Denn die Überschrift von heute morgen war absolut korrekt, wenn man die für 2012 beschlossene Neuverschuldung (26 Mrd) mit der Neuverschuldung von 2011 (22 Mrd) vergleicht. Das ist eine stolze Erhöhung der Kreditaufnahme um 18 Prozent!

Und plötzlich wunderte ich mich gar nicht mehr so sehr über die Neuverschuldung, sondern vielmehr darüber, wieso die Zeit ihre absolut richtige, faktisch zutreffende Artikelüberschrift wohl geändert haben könnte.

Was sind also nachvollziehbare und übliche Gründe für Redakteure, eine Überschrift zu ändern?

  • Weil sie nicht in eine Zeile passt und zu viel Platz wegnimmt? Das trifft auf die neue Überschrift zu, die alte war perfekt auf eine Zeile getrimmt.
  • Weil sie langweilig ist und keine Klicks generiert? Ich würde ja behaupten, dass eine wertende Aussage wie “höher” tendenziell mehr Aufmerksamkeit erregt als eine nackte Zahl.
  • Weil sie faktisch falsch ist? Beide Überschriften sind gleichermaßen richtig.
  • Weil sie sich mit der Unterzeile beisst? Dann hätte man einfach in der Unterzeile “1,1 Milliarden Euro weniger als im Entwurf von Schäuble” durch “4 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr” ersetzen können.

Fazit: Ich kann keinen Grund erkennen, der für die neue Überschrift und gegen die alte spräche – außer vielleicht, dass die Zeit nicht wusste, was der Artikel eigentlich aussagen sollte oder dass die bürgerliche Koalition mit der neuen Variante weniger inkompetent aussieht. Beides finde ich gleichermaßen erbärmlich.

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