Fukushima: GAU für deutsche Medien

Sonntag, März 20, 2011

Nicht nur ich, auch meine Freunde und Bekannten in Japan raufen sich seit Tagen die Haare angesichts der Berichterstattung in den deutschen Medien. Was da teilweise an verworrenem Unsinn versehen mit einer möglichst bedrohlich/gefährlich klingenden Headline auf die Leser losgelassen wird, ist schon erschreckend. Panikmache und Sensationsgier statt fundierte Information wohin man nur schaut.

Vorläufiger Höhepunkt dürfte der Brennpunkt in der ARD gewesen sein, in dem so lebensnotwendige Zuschauerfragen wie “Kann man eigentlich noch Fischstäbchen essen” oder “Kann ich unbesorgt in den Thailandurlaub fliegen” beantwortet wurden. Nein, ich will hier nicht Menschen, die sich zunächst um ihren eigenen Alltag und den Einfluss einer solchen Katastrophe auf ihr eigenes Leben Gedanken machen, kritisieren. Ich will die Berichterstattung kritisieren, die durch eine Mischung aus Ahnungslosigkeit und Sensationslust dazu führt, dass sich die Menschen mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen!

In dieser Hinsicht haben heute (mal wieder) die Jungs von Spiegel Online den Vogel abgeschossen:

Der Artikel sagt doch tatsächlich aus, die per Wasserwerfer von der Feuerwehr von außen auf das Reaktorgebäude gesprühten Wassermassen sollten den Druck im Reaktor senken, hätten dieses Ziel jedoch verfehlt. Was natürlich völliger Quatsch ist, denn die Kühlung per Wasserstrahl von außen zielt auf das oberhalb des Reaktors befindliche Abklingbecken, das seit der Zerstörung der Dachkonstruktion in einer Explosion mehr oder weniger frei zugänglich ist. Mit dem Reaktor selbst hat das überhaupt nichts zu tun, was vom Regierungssprecher Yukio Edano so auch klipp und klar in einer Pressekonferenz gesagt wurde.

Offenbar hat der Autor des wohl teilweise von der dpa stammenden Artikels also nicht nur nach 9 Tagen “Atomkatastrophe” immer noch nicht mal grundlegendste Zusammenhänge verstanden, auch die offiziellen Informationen der Regierung werden nicht beachtet.

Daher habe ich hier mal eine Infografik speziell auf das Niveau des in Nukleartechnologie und Recherche wenig bewanderten, dafür aber umso gestressteren Journalisten abgestimmt:

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