Warum dich dein iPhone 150.000 Euro kostet

Dienstag, August 10, 2010

Eine der gefährlichsten Fallen auf dem Weg zum Sparen sind versteckte Kosten*. Ein klassisches Beispiel sind Handy-Verträge: Wir bekommen das Handy jetzt für einen kleinen, mehr oder weniger symbolischen Betrag, zahlen dafür aber in der Zukunft. Gerade bei angesagten Smartphones fällt man besonders gern in diese Falle, denn Smartphones sind geil, keine Frage! Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass bei einem brandneuen Gadget einfach der Verstand aussetzt.

Da das geilste Smartphone im Moment wohl das iPhone4 sein dürfte, hab ich die Kosten dafür exemplarisch mit den Preisen von T-Mobile durchgerechnet. Dort gibt es vier Vertragsvarianten, die am Ende auf monatliche Gesamtkosten von ca. 90-120 Euro hinauslaufen**, also ca. 1100 bis 1440 Euro pro Jahr oder 2200 bis 2880 Euro auf die ganze Vertragslaufzeit.

Das klingt schon mal nach ner Menge Kohle, und manche Leute kaufen sich dafür tatsächlich einen Gebrauchtwagen. Im Vergleich zu den langfristigen Kosten ist das aber noch gar nichts.

Nehmen wir zusätzlich an, du als iPhone-Käufer bist in meinem Alter (also grob um die 30). Dann wird dich der genannte Zweijahresvertrag bis zum Erreichen des Rentenalters zwischen 16.000 und 22.000 Euro gekostet haben. Das ist nämlich der Betrag, den du bekommen hätte, wenn du die 2200 bis 2880 Euro für den Zweijahresvertrag mal lieber investiert und 35 Jahre lang 6 Prozent Zinsen eingestrichen hättest.

Aber Moment, das iPhone4 ist ja nur jetzt das hammergeilste Smartphone! In zwei Jahren wird es das iPhone6 geben, und das wird zum x-ten Mal alles verändern. Also musst du den Vertrag flugs verlängern! Und zwei Jahre später wieder, und dann wieder, und so fort… Dann kostet dich die Liebe zum iPhone (oder nachfolgenden Gadgets) stolze 150.000 Euro***, die du bei einer Geldanlage über 35 Jahre mit 6 Prozent Verzinsung hättest einstreichen können.

Nicht schlecht, was?

* Darunter verstehe ich alle Kosten, die nicht sofort beim Erwerb eines Produkts oder einer Dienstleistung anfallen****.
** Angenommen, dass ca. 200 Minuten im Monat telefoniert wird.
*** Je nach Vertragsvariante bis zu 154.483 Euro.
**** In einem Artikel, der sich mit Handy-Verträgen befasst, ist Kleingedrucktes absolut zwingend notwendig.

6 Comments

  1. Applefanboy sagt:

    Hui nicht schlecht! Ich hab’s jetzt nicht nachgerechnet, aber hast Du bei den monatlichen Kosten für ca. 200 Gesprächsminuten berücksichtigt, dass gerade die teureren Verträge u.U. eben diese Gesprächsminuten bereits inklusive haben oder Anrufe in bestimmte Netze kostenlos sind? So oder so ist ein Smartphone ein teurer Spaß. Man sollte sich vor allem fragen ob man ihn sich auch langfristig leisten kann.

  2. Tom sagt:

    Wer sich ein iPhone4 kauft ist entweder unheimlich dumm oder scheinbar stinkend reich (siehe dieser Blogeintrag). Wer nicht unheimlich dumm oder unheimlich reich ist geift zum Galaxy S mit Android OS. Beide Smartphones liegen in allen Tests gleichauf, mal liegt Samsung weiter vorne, mal Apple. Allerdings kostet das Galaxy S maximal ein Drittel vom iPhone4, was (seltsamerweise?) in den Tests kaum Beachtung findet. Damit ist es jedenfalls das derzeit beste Smartphone der Welt, ganz abgesehen davon, daß man keinen Knebelvertrag bei T-Mobile unterschreiben muss.

  3. Blia Blubb sagt:

    Hi,
    nette Rechnung aber leider völlig nutzlos, denn diese Rechnung kann man mit jedem Belibiegen Konsumgüter oder Luxusartikel machen und würde am Ende auch immer dieses Ergebnis bekommen:
    “Würde ich es nicht kaufen hätte ich Geld gespart”, ob es jetzt ein iPhone, ein Laptop, eine neue Couch, ein Fernsehn, ein Auto oder irgendein anderer Gegenstand ist den ich jetzt für meinen persönlichen Luxus anschaffe, hier ist halt jeder Mensch verschieden und der eine empfindet ein iPhone als luxeriös und braucht eins davon, ein anderer braucht eine schöne moderne Wohnung wo er alle paar Monate in ein neues Acessoir investiert und ein dritter kauft halt alle drei Jahre den neuesten BMW oder bessert seine Briefmarken Sammlung auf.

    Und ganz ehrlich so ein “Vorrechnen” mag von den Zahlen her zwar durchaus spannend sein, wirkt aber irgendwie ziemlich herablassend, als ob du mit dem Finger auf die iPhone Besitzer zeigst wie sinnlos ihre Investition doch sei…das kommt ein bisschen rüber als ob da einer neidisch wäre ;) oder aber auf den momentan beliebten Apple -bashing- Zug aufspringt.

    Und zu guter letzt, klar Sparen und sich Rücklagen schaffen ist wichtig aber was bringen mir im Rentenalter diese 150.000€ wenn ich ansonnsten genug zum leben habe, dafür aber mir nie mal auch was persönlichen Luxus im Leben gegönnt habe?

    Viele Grüße

    PS: ich zahle “nur” 40€ im monat für mein iPhone :)

  4. Klaus Wiesmüller sagt:

    @ applefanboy

    Ja, das hab ich einkalkuliert. In der Variante Complete XS, in der man fast alle Telefonate bezahlt, veranschlage ich 60 Euro Telefoniekosten (200 Minuten à 0,30 Euro). In der Variante Complete L macht die Telefonie nur noch 20 Euro aus, da man nur noch für Telefonate in andere Handynetze zahlen muss.
    Natürlich sind das alles über den Daumen geschätzte Zahlen, aber eigentlich denke ich, dass ich mit den 200 Minuten eher konservativ unterwegs bin. Das sind schließlich grade mal 7 Minuten telefonieren am Tag!

    @ Blia Blubb

    Nein, diese Rechnung kann man nicht mit jedem x-beliebigen Luxusgut aufmachen, denn es geht mir um die Kosten, die nicht direkt zum Zeitpunkt des Kaufs bzw. Vertragsabschlusses anfallen. Bei vielen Luxusgütern ist es außerdem so, dass diese nach 5 Jahren nicht wertlos sind (im Gegensatz zu einem 5 Jahre alten iPhone).
    Wenn ich mir im Jahr 2000 eine Patek Phillippe Calatrava für 8690 Euro gekauft habe, ist die jetzt, 10 Jahre später, immer noch gut und gerne 6500 Euro wert, und in 20 Jahren ist sie vielleicht sogar deutlich mehr wert als der Neupreis mal war. Und in der ganzen Zeit fallen keine Folgekosten an (außer vielleicht mal ne Reinigung).

    Ganz generell muss natürlich jeder für sich selbst Prioritäten setzen und sich überlegen, wofür man bereit ist, Geld auszugeben. Gerade die Dinge, die du genannt hast, sind aber in der Regel keine “entweder – oder” Entscheidungen. Vielmehr holen sich die meisten Menschen das iPhone ja noch zusätzlich zum Laptop, zum Plasma-TV, zum Ledersofa und zum BMW. Und bedenken dabei oft nicht, welche langfristigen Konsequenzen dieses kurzfristig orientierte Konsumverhalten hat.

    Und abschließend: Mir ging es überhaupt nicht um Apple-Bashing, ich hab ja ausdrücklich geschrieben, dass das iPhone4 grade so ziemlich das geilste Smartphone ist, was es gibt. Nicht gleich persönlich nehmen ;-)

  5. Irene K. sagt:

    Tja, musste beim Lesen schmunzeln… 6% Zinsen in Deutschland???? :D

  6. Klaus Wiesmüller sagt:

    Hi Irene, ich glaub nicht, dass ich irgendwo geschrieben hätte, dass man das Geld in Deutschland anlegen soll ;-)

    Davon abgesehen: Der Dax hatte seit seinem Bestehen eine durchschnittliche Jahresperformance von 8,5 Prozent. Indexfonds kaufen, fertig.

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