Drei Wochen lang habe ich mich im Südwesten Chinas herumgetrieben und viel Spaß gehabt, tolle Erfahrungen gemacht, viel und lecker gegessen und mir dabei nur einmal den Magen verdorben und fantastisch schöne Landschaften gesehen. Ein paar Dinge habe ich auch gelernt, und die möchte  ich hier gerne weitergeben.
10 Dinge, die man für eine China-Reise beachten sollte:
  1. Was für die Türkei galt, gilt genauso auch für China: Niemals das Hotel verlassen, ohne Klopapier mitzunehmen. Denn in öffentlichen Toiletten gibt es generell keines.
  2. Immer Name und Adresse des Hotels in chinesischer Schrift mit sich führen, damit man die im Notfall einfach einem Taxifahrer oder Passanten zeigen kann. Denn Englisch spricht so gut wie niemand.
  3. Essen ist unglaublich günstig, selbst für fantastisch leckere gegrillte Austern hab ich nur ein paar Euro bezahlt. Ein komplettes, mehrgängiges Abendessen im Restaurant bekommt man teilweise für unter 10 Euro pro Person. Also auch wenn man sich nicht sicher ist, was man da eigentlich bestellt: Einfach ausprobieren! Und besser nicht im Hotel essen, denn die kassieren bei den Touristen gerne mal ab.
  4. Wo wir beim Essen sind: Servietten gibt es in China nicht (schließlich ist man zivilisiert und isst mit Stäbchen und nicht mit den Händen), auf Nachfrage bekommt man – gegen Bezahlung – aber so kleine Päckchen mit Tissues, mit denen man sich ein bisschen Hände und Mund abtupfen kann.
  5. Nochmal Essen: Wenn man im Westen und Süden unterwegs ist, wird nahezu jedes Gericht mit Chili zubereitet und ist entsprechend scharf. Da kann es dann auch passieren, dass ein Päckchen Tissues nicht reicht, um den Schweiß aufzunehmen.
  6. Sich besser nicht auf die Hilfsbereitschaft anderer verlassen. Das klingt hart, genau so hab ich es aber wahrgenommen: Hilfsbereite Chinesen muss man mit der Lupe suchen, in der Regel wird jeglicher Kontakt mit Ausländern so gut es geht abgeblockt. Und auch Chinesen selbst sind oft angesichts des schlechten Service ihrer Landsleute frustriert.
  7. Nicht wundern, wenn man als Fotomotiv dient. Angegafft wird man als Ausländer sowieso, besonders wenn man eine irgendwie auffallende Erscheinung hat und etwa groß ist, blonde Haare oder einen Bart hat. Am neugierigsten sind Kinder, was zu lustigen Erlebnissen führen kann.
  8. Es gibt verschiedene Klassen von Zügen: Hochgeschwindigkeit, Intercity und Bummelzüge. Die Hochgeschwindigkeitszüge sind vergleichbar mit dem, was wir in Deutschland erwarten, wenn wir in einen Zug einsteigen. Bei den anderen Zügen merkt man sofort, dass China noch ein Entwicklungsland ist. Abseits der Metropolen ist man meistens auf diese Züge angewiesen, in diesem Fall sollte man unbedingt einen Platz im Schlafwagen nehmen, die Reise im Sitzwagen ist absolut kein Spaß! Vor allem, weil man meist mit Reisezeiten von 6-20 Stunden rechnen muss.
  9. A propos Zugreise, Zugtickets kann man immer nur an dem Bahnhof kaufen, an dem der Zug auch abfährt! Also nichts mit vorab reservieren und so. Am besten direkt nach einer Zugfahrt am Bahnhof das Ticket für die spätere Weiterfahrt kaufen, damit man eine höhere Chance auf einen Schlafwagen hat (ein typischer Zug hat vielleicht 7-8 Sitzwagen und 2-3 Schlafwagen).
  10. Selbst in wirklich guten Hotels wird das Warmwasser meist mit einem Boiler erzeugt/gespeichert. Ist man mit mehreren Personen unterwegs, sollte man das beim morgendlichen Duschen einkalkulieren und besser sparsam mit dem Warmwasser umgehen.

Im November 2012 brachte Focus Money wieder eine haarsträubende Titelstory, dieses Mal mit dem Titel Fundament fürs Alter. Dem Artikel liegt das Problem zu Grunde, dass viele Menschen die Rendite ihrer bzw. einer Kapitallebensversicherung – dem Altervorsorgeinstrument schlechthin in den letzten Jahrzehnten – dahinschmelzen sehen. Der Artikel empfiehlt deshalb Investitionen in Sachwerte, was ja an und für sich erstmal ne gute Idee ist. Nur wird dann eine Strategie empfohlen, die stark auf einer kreditfinanzierten Immobilie basiert.

Schauen wir uns das Elend Schritt für Schritt genauer an:

1. Der Strategie zufolge soll man nach Berufseinstieg bis zur Gründung einer Familie (also etwa zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr) in Aktien bzw. Aktienfonds investieren. Anschließend nutzt man dieses Kapital als Anzahlung für ein kreditfinanziertes Einfamilienhaus, das man mit 50 Jahren abbezahlt hat. Dann investiert man wieder in Aktien/Aktienfonds, mit ein bisschen Goldbeimischung.

2. Diese Strategie wird mit einigen Grundannahmen (Inflation, Einkommen, Zinsen, ein Erbe zwischendrin, Instandhaltung für das Haus) durchgerechnet, die Autoren kommen zum Ergebnis, dass diese Strategie zu einem Vermögen von 479.000 Euro im Alter von 67 führt. Dem gegenüber steht die “klassische” Altersvorsorge mit der Kapitallebensversicherung, die wegen der geringen Rendite aber nur zu einem Vermögen von 350.000 Euro führt. Mit der gemischten Sachwertestrategie aus Aktien, Immobilie und Gold stünde man somit um 129.000 Euro besser da, so das Fazit der Autoren, das mit dieser Grafik veranschaulicht wird:

Auf den ersten Blick beim flüchtigen Drüberlesen mag das soweit alles ganz nachvollziehbar sein und sinnvoll klingen. Bis man ein bisschen in die Details geht, dann wir schnell klar wie desaströs sich der Kauf der kreditfinanzierten Immobilie auf das Vermögen auswirkt.

Alter 25-40:

In dieser Phase wird in Aktien investiert, mit einer anfänglichen monatlichen Sparrate von 200 Euro und einer Dynamisierung von 2% pro Jahr als Inflationsausgleich. Bei einer angenommenen Rendite von 8% (sehr ambitioniert, ich würde eher mit 4-5% kalkulieren, aber übernehmen wir mal die Zahlen von Focus Money) hat man dann mit 40 ein Vermögen von 68.575 Euro. So weit bin ich noch bei den Autoren.

Alter 40-50:

Nun wird’s komplizierter. Die Autoren berechnen für den Kauf der Immobilie (253.000 Euro) eine monatliche Belastung von 1710 Euro, damit der Kredit  von 108.000 Euro nach 10 Jahren abbezahlt ist (Eigenkapital sind das zuvor angesparte Vermögen plus ein Erbteil von 75.000 Euro). Sie betrachten dies als eine Mehrbelastung von nur 240 Euro gegenüber dem alternativen Szenario, dass die Familie in einer Mietwohnung lebt. Denn für die Mietwohnung werden 1200 Euro veranschlagt, außerdem würde der Sparplan aus der ersten Phase weiterlaufen müssen.

Mehr als einen Satz verlieren die Autoren aber leider nicht über dieses alternative Szenario. Ich möchte mir diese Mühe aber gerne machen und rechne daher damit, dass die Familie anstatt ein Eigenheim zu kaufen in einer geräumigen Mietwohnung wohnt und dafür die genannten 1200 Euro Miete bezahlt. Das Vermögen aus Phase 1 bleibt also unangetastet und wird noch um die 75.000 Euro aus dem Erbe aufgestockt. Der auf Aktien basierende Sparplan läuft wie gehabt weiter. Der Einfachheit halber nehme ich dieselben Zahlen wie Focus Money, also 8% jährliche Rendite (obwohl ich das eigentlich für hochgradig unrealistisch halte) und übernehme die Dynamisierung von 2%. Damit komme ich nach weiteren 10 Jahren auf ein Aktien-Vermögen von nunmehr 357.039 Euro.

Alter 50-67:

Da die Immobilie abbezahlt ist, wird in der Focus Money-Variante nun wieder in andere Sachwerte investiert. Die Autoren verändern den Mix etwas und geben der Sicherheit wegen Gold bei (wobei sie von einer Preissteigerung auf Inflationsniveau, also 2% ausgehen). Völlig schleierhaft ist mir, warum die Autoren trotz der abbezahlten Immobilie nur von einem initialen monatlichen Sparbetrag von 350 Euro ausgehen (plus Gold für ca. 600 Euro/Jahr), obwohl der Besitzer des abbezahlten Hauses nun eigentlich deutlich mehr ansparen könnte, theoretisch weit über 1000 Euro pro Monat. Jedenfalls kommen sie so auf 172.000 Euro nach 17 Jahren, also zum Renteneintritt. Obendrauf kommt der Wert des Hauses, was das Gesamtvermögen von 479.000 Euro ergibt.

Mit der auf Grund des veränderten Mixes reduzierten Rendite von 6% (die ich immer noch für etwas optimistisch halte) rechne ich nun die neuen Investments des Mieters durch. Mit dem Gold & Aktien-Mix komme ich als Mieter in den 17 Jahren auf Erspartes von 120.000 Euro, also deutlich weniger als in der Variante der Autoren, denn ich muss ja weiter Miete zahlen und kann weniger ansparen als der Hausbesitzer.

Aber was wurde aus den Aktien, in die der Mieter seit seinem 25. Lebensjahr brav Monat für Monat ein bisschen Geld gesteckt hat? Die liefern natürlich weiterhin die angenommene Rendite von 8%, und sind damit bei Renteneintritt schlanke 1,32 Millionen Euro wert! Damit beläuft sich das Vermögen eines Mieters, der neben seiner Miete jeden Monat brav 200-300 Euro angespart hat, im Alter von 67 auf 1,44 Millionen Euro, während der Häuslebauer in der Berechnung von Focus Money gerade mal auf läppische 479.000 Euro kommt, also etwa ein Drittel. Zur Veranschaulichung:

Wie ist das möglich? Ganz einfach: Das Kernproblem ist, dass in der von Focus Money als “lohnenswert” bezeichneten Sachwerte-Strategie die in den Jugendjahren angesparten Aktien, die Jahr für Jahr satte 8% Rendite abwerfen, im Alter von 40 Jahren verkauft werden um zusammen mit der Erbschaft als Eigenkapital für eine Immobilie zu dienen. Diese Immobilie ist aber nicht nur wenig rentabel, nein, sie soll obendrein auch noch auf Pump finanziert werden, weshalb 10 Jahre lang Geld an die Bank überwiesen werden muss. Selbst wenn der Mieter aufhören würde, weiter anzusparen und sein ganzes Einkommen versaufen würde, wäre er allein durch die 8% Rendite pro Jahr auf das bis dahin erreichte Vermögen von 143.575 Euro (Aktien + Erbe) bei Renteneintritt Millionär! Zinseszins rules!

Die “lohnenswerte Strategie” von Focus Money empfiehlt also das denkbar dümmste, was man im Hinblick auf die Altersvorsorge machen kann: Ein hochrentables Investment verkaufen, um damit eine wenig rentable Immobilie, die noch dazu teilweise fremdfinanziert werden muss, zu kaufen. Dass diese “Strategie” überhaupt besser abschneidet als die Kapitallebensversicherungen liegt allein an der hohen angenommenen Rentabilität der Aktieninvestments in den Lebensjahren 25-40 und 50-67. Wenn hier die Rendite nicht bei 8% liegen würde sondern bei realistischeren 4-5%, würde die durch den Kredit unrentable Immobilie die ganze Strategie wahrscheinlich sogar noch schlechter als die Lebensversicherung abschneiden lassen! Die Mietstrategie kommt dagegen selbst mit der realistischeren Rendite auf ein viel höheres Vermögen bei Rentenantritt.

Damit mich keiner falsch versteht: Eine eigene Immobilie kann ein lohnenswertes Investment sein, wenn man damit Ziele wie Lebensqualität, Platz für eine Familie oder die Realisierung eines Traums verfolgt. Unter dem Gesichtspunkt der Altersvorsorge macht sie aber wenig Sinn, vor allem wenn sie fremdfinanziert wird.

PS: Danke für den Artikel-Tipp an Kai!

Die Aussprache im Bundestag vom Donnerstag habe ich mal zum Anlass genommen, einen etwas genaueren Blick auf den Bundeshaushalt der letzten Jahre und den Plan für 2013 zu werfen. Die nüchternen Zahlen* sehen folgendermaßen aus:

Vergleichen wir die Jahre 2009 und 2013, welche die Regierungszeit der schwarz-gelben Koalition markieren, so fällt auf, dass die Ausgaben fast konstant geblieben sind (von 303 auf 301 Milliarden). Das klingt erstmal so, als ob da tatsächlich jemand versucht hätte, das Geld zusammenzuhalten. Aber dann kommt der Schuldendienst (also das, was der Bund an Zinsen für seine Schulden zahlt) ins Spiel, und dieser Ausgabenposten ist wegen der gesunkenen Zinsen von 2009 auf 2013 um fast 25% oder etwa 10 Milliarden gesunken. In Wirklichkeit sind die “normalen” Ausgaben also deutlich gestiegen, was aber durch die günstigen Zinsen derzeit verschleiert wird. Gleichzeitig sind auch die Einnahmen des Bundes um fast 10% gestiegen, nämlich von 258 Milliarden in 2009 auf voraussichtlich 281 Milliarden im nächsten Jahr.

Finanzminister Schäuble hat also gleich von zwei positiven Trends profitiert: Durch die gesunkenen Zinsen muss er 2013 stolze 10 Milliarden weniger für Schuldendienst berappen und nimmt gleichzeitig wegen der guten Konjunktur und der gesunkenen Arbeitslosigkeit 23 Milliarden mehr ein. Das beim Schuldendienst eingesparte Geld wurde aber sogleich wieder ausgegeben, weshalb wir auch 2013 wieder mit einer deftigen Neuverschuldung rechnen müssen.

Was wäre möglich gewesen, wenn die Regierung Merkel die Ausgaben wirklich konstant gehalten hätte, so dass die gesparten 10 Milliarden beim Schuldendienst direkt die Neuverschuldung senken? Dann wäre diese in 2013 nur halb so hoch. Und wenn unsere “eiserne Kanzlerin” nicht nur von den Griechen Sparanstrengungen einfordern würde, sondern auch selbst beim Sparen Ernst gemacht und die Ausgaben um sagenhafte 2,5 Milliarden pro Regierungsjahr gekürzt hätte? Dann gäbe es nächstes Jahr einen Haushaltsüberschuss! Aber nö, sparen ist ja anstrengend und morgen ist schließlich auch noch ein Tag!

* Die Zahlen sind gerundet und stammen von der Webseite des Bundesfinanzministeriums sowie Wikipedia, und gehen nicht immer ganz auf. In manchen Jahren entspricht die angegebene Neuverschuldung nicht exakt der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Keine Ahnung, woran das liegt. 

Ja, da war es heute also passiert, die Mitgliederbasis der Grünen wählte in der ersten derartigen Urwahl Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Katrin… wer? Das dürfte auch die erste Reaktion in der Spiegel Online Redaktion gewesen sein, danach brach wohl hektische Geschäftigkeit aus, schließlich musste das Sensationsergebnis ja gebührend gewürdigt und kommentiert werden. Dabei scheint es ordentlich drunter und drüber gegangen zu sein, denn anders kann ich mir nicht erklären, dass heute im Abstand weniger Stunden zwei Kommentare auf SpON erschienen, deren jeder  das Gegenteil vom jeweils anderen behauptet.

Der erste (verfasst von Ralf Beste) erklärt den überraschenden Sieg von Frau Göring-Eckardt damit, dass sie in den letzten Jahren einen “beherzten Linksschwenk” vollzogen habe, und sich nun “brennend auf ein Bündnis mit den Sozis freut”. Ein paar Stunden später erscheint dann der zweite Kommentar (von Christoph Schwennicke) und erklärt ab sofort schwarz-grün zur bevorzugten Koalition der Grünen. Denn die hätten ja durch die Wahl von Frau Göring-Eckardt, der “Kirchenfrau”, die mit der SPD “noch nie viel anfangen” konnte, ihr konservatives Gesicht gezeigt.

Also entweder ist die gute Frau sowas wie der deutsche Mitt Romney, oder bei den Spiegel-Redakteuren herrscht genauso große Ahnungslosigkeit über die Spitzenkandidatin wie bei mir.

Jeder, der schon mal an einem Bahnhofskiosk ein Magazin für die Reise gekauft hat, kennt sie, die Börsenratgeber. Es gibt sie haufenweise und sie überschlagen sich mit angeblich gewinnbringenden Tipps und unfehlbaren Analysen. Was man von diesem Quatsch zu halten hat, bekommt man demonstriert, wenn man Focus Money Ausgabe 33/2012 zur Hand nimmt und sich die Titelstory etwas genauer anschaut. Unter der Überschrift “In 192 Stunden gewinnen” (Artikel steht auch online zur Verfügung) und mit markigen Versprechungen wird dort eine atemberaubend einfache Strategie gepriesen:

Den Dax und den S&P-500 deutlich abgehängt. Das gelingt nur den wenigsten Profis. Eine einfache Strategie aber schafft das locker – seit 17 Jahren…

Wow, eine einfache Strategie, mit der sich der Markt regelmäßig schlagen lässt? Das würde ja sämtliche Theorien der Finanzmärkte, denen zufolge sich der Markt eben nicht nachhaltig schlagen lässt, über den Haufen werfen. Eine Sensation! Und die Idee klingt tatsächlich im ersten Moment einfach und clever:

Nur 192 Stunden pro Jahr investieren. Das sind umgerechnet acht Tage. Und damit 250 Prozent Gewinn machen. Das geht. Mit einer Strategie, die so einfach ist, dass Sie es kaum glauben werden. Sie müssen nur exakt 24 Stunden bevor die US-Notenbank Federal Reserve ihre regelmäßigen Zinsentscheidungen bekannt gibt einen börsennotierten Aktien-Indexfonds, einen sogenannten ETF, auf den US-Aktienindex S&P-500 kaufen – und kurz vor der Bekanntgabe des Zinsentscheids, in der Regel um 20.15 Uhr unserer Zeit, wieder verkaufen. Die restlichen 357 Tage bleiben Sie im Tagesgeld.

Irgendwie scheint die Strategie auf der medialen Aufmerksamkeit rund um die Fed-Entscheidung und der damit zusammenhängenden Unsicherheit im Markt zu beruhen. Im Artikel wird dann noch ausführlich erklärt, wie die Zusammenhänge genau sein sollen, und da klingt das dann auch schon gar nicht mehr so einfach und nachvollziehbar. Wie lächerlich die gepriesene, angebliche Gewinn-Strategie aber ist, macht ein einziger Blick auf eine dem Artikel beigefügte Grafik deutlich:

Die Behauptungen, der Markt würde mit dieser Strategie “deutlich geschlagen”, und das “seit 17 Jahren” sind nämlich nach den eigenen Berechnungen von Focus Money schlicht und ergreifend falsch. Die Grafik zeigt deutlich, dass die Fed-Strategie erst seit Ausbruch der Finanzkrise, also in den letzten 4 Jahren, deutlich besser performed als der Markt insgesamt. In den 13 Jahren davor war man mit der hochgelobten Strategie deutlich schlechter dran, als wenn man dauerhaft in einen ETF auf den S&P-500 investiert gewesen wäre. Ist halt doch nicht so einfach, den Markt zu schlagen.

Stellen sich zwei Fragen: Werden die Titelstories bei Focus Money eigentlich von irgendjemandem Korrektur gelesen? Oder geht man davon aus, dass die Leser solchen offensichtlichen Quatsch einfach für bare Münze nehmen?

 

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen, an den XING Prototyping Days teilzunehmen – drei Tage im Jahr, während denen jeder Mitarbeiter von XING sich an einem Projekt beteiligen und eigene Ideen ganz unabhängig vom Tagesgeschäft ausarbeiten oder umsetzen kann. Eine großartige Sache bei der alle Beteiligten sehr viel Spaß haben und die immer wieder zu erstaunlichen, inspirierenden, begeisternden und praktischen Ergebnissen führt.

Was ich vor allem anderen in diesem Jahr jedoch mitnehme ist die beeindruckende Erfahrung der Mächtigkeit von Papier. Ja, es gibt jede Menge praktische Tools für schnelles und einfaches Prototyping, sogar auf dem iPhone kann man ohne Weiteres einen Prototypen gestalten. Aber mit Papier bietet eine Vielzahl von Vorteilen gerade beim spontanen, schnellen Prototyping, bei denen kaum ein Software-Tool mithalten kann:

  • mit Papier sind wir alle vertraut, es gibt so gut wie keine Lernkurve: man nimmt einfach einen Filzstift und beginnt mit der Realisierung seiner Ideen
  • der Fantasie sind auf Papier keine Grenzen gesetzt: keine vorgegebenen Sets, Patterns, Muster oder dergleichen schränken das Denken ein
  • Papier ist sehr flexibel: durch Falten etwa lassen sich interessante Effekte erzielen
  • Papier kann beliebig durch andere Materialien angereichert werden: egal ob bunte Fotos von süßen Kätzchen oder beeindruckende Statistiken gebraucht werden, einfach irgendwo ausschneiden und in den Prototypen reinkleben
  • bei der Arbeit mit Papier beginnt man fast wie von selbst, Dinge miteinander zu kombinieren und Neues auszuprobieren, das kreative Denken wird also durch parallele manuelle Tätigkeit weiter angeregt
  • ein Papier-Prototyp kann direkt zur Interaktion genutzt und innerhalb von Sekunden angepasst und überarbeitet werden
  • und indem man den Prototypen im Stop-Motion-Verfahren abfotografiert, lassen sich mit erstaunlich wenig Aufwand schöne Demo-Filme erstellen

Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, mein altes und inniges Verhältnis zu Papier als Werkstoff neu beleben zu können und werde Papier in Zukunft sicher öfter für schnelles Prototyping benutzen.

Oh wow, was für ein geniales Bad! So hell und freundlich, ohne dabei aber langweilig zu wirken, dabei dank der mit großartigen Texturen der Natursteinplatten an den Wänden und dem schlichten Holzschemel auch total natürlich. Und dann dieser Ausblick! Da schmilzt man schon fast dahin, ohne in der Wanne zu liegen!

Via Desiretoinspire

Angesichts der Finanzkrise und von Sendungen wie Raus aus den Schulden, in denen die Überschuldung von Privathaushalten thematisier wurde, wird immer wieder auch über eine bessere Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen auf den Umgang mit eigenem Geld diskutiert. Wie ich kürzlich durch einen Artikel in der Zeit erfuhr, gibt es seit ein paar Jahren einen Verein, der sich dieser Sache angenommen hat: Geldlehrer Deutschland. Der Verein rühmt sich auf seiner Webseite, mit 34 Schulen zu kooperieren und bereits fast 2000 Schüler ehrenamtlich in Geldfragen unterrichtet zu haben. Was alles wunderbar klingt, bis klar wird, dass diese “Geldlehrer” nichts anderes sind als Finanzberater, die eine dreitägige (!!) Schulung gemacht haben und dann auf die Schulkinder losgelassen werden!

Ein Zitat aus dem Zeit-Artikel macht das Elend deutlich:

Stefanie Scheuer, schwarzer Blazer, knallgrüner Lidschatten, ist gelernte Versicherungskauffrau und arbeitet als selbstständige Vermögensberaterin. Einmal in der Woche kommt sie in die Schule, um die 15- bis 16-Jährigen im Umgang mit Geld zu unterrichten. [...] In der Klasse wird es unruhig, der Unterricht ist fast zu Ende. »Miete zahlen oder Haus abbezahlen – was ist gescheiter?«, fragt Scheuer abschließend. Die meisten Schüler tendieren zum Haus. Ein Mädchen bleibt skeptisch: »Man muss allerdings nichts reparieren, wenn man zur Miete wohnt.« – »Aber dann zahlst du dein Leben lang Miete, und wenn du in Rente gehst, gehört dir nichts«, sagt Scheuer. Das Mädchen stimmt zögerlich zu.

Abgesehen davon, dass Unterricht an Schulen unsere Kinder eigentlich zu kritischem Denken erziehen sollte, und die “Geldlehrerin” hier offensichtlich das genaue Gegenteil anstrebt, stehen mir auch angesichts der falschen – und offensichtlich von Eigeninteresse getriebenen – Behauptung der Finanzberaterin die Haare zu berge! Ja, eine Immobilien kann natürlich ein wichtiger Bestandteil der Altervorsorge sein – wenn sie geerbt oder cash bezahlt wird. Sobald allerdings ein nennenswerter Anteil fremdfinanziert ist, nimmt die Rentabilität dramatisch ab und man steht schlechter da als wenn man Miete zahlt und das gesparte Geld auf andere Weise anlegt. Denn bei fremdfinanzierten Immobilien verdient vor allem einer: die kreditgebende Bank!

Wie kann es sein, dass Werbung und wirtschaftliche Aktivitäten an Schulen praktisch überall verboten sind, und zugleich Finanzberater sich mit einer dreitägigen Schulung den Mantel des wohlmeinenden Experten erkaufen können, um anschließend Kindern das eigenständige Denken auszutreiben und sie von den Produkten der Finanzindustrie zu überzeugen? Diese Welt macht mich Kotzen!

Ein großartiges Beispiel, wie man mit multifunktionalen Ansätzen und Ideen zur flexiblen Nutzung von Wohnraum aus einem kleinen, heruntergekommenen Studio ein elegantes, cooles Loft machen kann, ist das Projekt Transformer von Studio Garneau. Das Schlafzimmer kann mit zwei einfachen Kniffen komplett in das Wohnzimmer integriert werden – nur das Bett in die Wand klappen und die Trennwand zusammenschieben. Ist die Trennwand dagegen ausgefahren, gibt sie die Hausbibliothek frei und dient zugleich als Videoprojektionsfläche.

Neben diesen die Raumaufteilung und -nutzung betreffenden Aspekten und dem schlicht-modernen Look & Feel der Wohnung gefallen mir aber besonders die vielen kleinen Details, die wunderbar durchdacht und ganz zurückhaltend integriert – fast versteckt – sind. Siehe etwa die Ablage im Bad, bei der die Handtuchhalter auch gleich noch als Griffe dienen. Großartig!

Via Desire to inspire

 

SpON hat sich mal wieder selbst übertroffen :-)

PS: Die nicht-anonymisierte Namensnennung ist inzwischen komplett gestrichen.




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